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Andere Länder, andere Farben: Auf Erfolgskurs mit MissPompadour

Sinzing (Oktober 2026) – Co-Gründer Erik Reintjes erinnert sich noch gut an die ersten Jahre von MissPompadour: Manchmal vergingen zwei Monate, bis seine Schwester Astrid wieder eine Farbdose verschickte. Das war im Jahr 2016, als MissPomadour noch keine gegründete GmbH war. Heute umfasst das Sortiment mehr als 150 Farbtöne. Rund 30 Prozent des Umsatzes erzielt MissPompadour inzwischen außerhalb Deutschlands.

Seinen Ursprung hat MissPompadour in einem Regensburger Concept Store. Astrid Reintjes führte ihn gemeinsam mit ihrer Mutter und verkaufte dort unter anderem Farben für Möbel im Shabby-Chic-Stil. Ihr Bruder Erik, damals im E-Commerce tätig, entwickelte im Rahmen seiner Abschlussarbeit den passenden Onlineshop. 

Zeitgleich gründete Erik Reintjes eine Facebook-Gruppe zum Streichen mit Kreidefarben. Astrid zeigte dort ihre DIY-Projekte, Familie und Freunde musste die ersten Beiträge liken und kommentieren. Bald folgten mehrere Tausend Nutzerinnen. „Wir hatten keine Marke und kein Marketingbudget. Wir hatten einfach nur diesen Shop und das, was wir selbst hineingesteckt haben“, sagt Reintjes.

Auch der nächste Wachstumsschub war nicht geplant. Pinterest griff überraschend die Blogartikel des Shops auf. Statt rund 30 Menschen kamen plötzlich bis zu 5.000 am Tag auf die Seite. Seine Schwester rief damals überrascht an: „Ich bin heute schon zum vierten Mal gefragt worden, wie man Fliesen streichen kann. Was ist denn passiert?“

Die vielen Fragen wurden Teil des Geschäftsmodells. MissPompadour beriet über Facebook, WhatsApp und Telefon und erklärte, wie sich Möbel, Türen, Küchen oder Fliesen streichen lassen. Während der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage stark. Mit den zusätzlichen Einnahmen entwickelte das Team eine eigene Farbkollektion. Aus sieben Farben wurden mehr als 150, aus dem Händler wurde ein Hersteller.

Österreich war der Anfang

Der Auslandsgang startete in Österreich und die Schweiz schon früh. Wegen der gemeinsamen Sprache wirkten beide Märkte zunächst nicht besonders weit entfernt. Dass trotzdem andere Regeln für Umsatzsteuer, Verzollung und Versand gelten, lernte das junge Unternehmen unterwegs und zog spezialisierte Dienstleister hinzu. Heute entfallen rund acht Prozent des Gesamtumsatzes auf Österreich, die Schweiz ist der viertstärkste Markt.

Internationaler fühlte sich für Reintjes die Expansion nach Frankreich und in die Niederlande an. Nun reichte es nicht mehr, den deutschen Shop zu erweitern. Texte, Beratung und Werbung mussten auch in anderen Sprachen funktionieren. Bei neuen Märkten gehört deshalb eine muttersprachliche Kundenberatung von Anfang an dazu. Die Länderteams arbeiten aus Deutschland heraus.

Vier Wochen bis zum Marktstart

Inzwischen hält MissPompadour jeden Markteintritt in einem sogenannten Country Guide fest. Der Name klingt nach Reiseführer, gemeint ist aber ein Arbeitsplan für alle beteiligten Abteilungen. „Man kann nicht einfach sagen: Wir werden jetzt international“, sagt Reintjes. Produktdaten, Übersetzungen, Kundenservice, Werbung und Versand müssen gleichzeitig fertig sein.

„Wenn wir ein Land anschalten wollen, brauchen wir aktuell vier Wochen“, so Reintjes. Beim Start in Polen im Sommer 2026 kamen diese Abläufe erstmals umfassend zum Einsatz. Erst vor kurzem folgte Schweden. Dort zeigt sich nun, ob sich die in Polen entwickelten Strukturen tatsächlich auf den nächsten Markt übertragen lassen.

Nicht überall wird selbst gestrichen

Nicht jedes Land passt zur Marke, sagt Reintjes. „Eine Italienerin würde nicht streichen“, sagt er zugespitzt. In Polen dagegen sei es für viele Frauen selbstverständlich, eine Wohnung zu kaufen und selbst zu renovieren.

Auch Farben und Wohnwelten unterscheiden sich. Schon innerhalb Deutschlands verkauft MissPompadour im Norden mehr Blau, Weiß und Grau, in Bayern eher Grün. Für Reintjes reicht es deshalb nicht, überall dieselben Bilder zu zeigen: „Wir sind fast noch tiefer im Zuhause der Kundin als Ikea.“ Eine Pariser Wohnung sähe anders aus als eine Wohnung in München oder Warschau.

Die Inhalte aus dem eigenen Studio nutzt MissPompadour länderübergreifend. Hinzu kommen Fotos und Videos lokaler Influencerinnen. So zeigt die Marke Projekte, die zu den Wohnungen und zum Geschmack im jeweiligen Land passen, ohne für jeden Markt ein eigenes großes Marketingteam aufzubauen.

Die Dosen kommen aus Kirchroth

Produziert und verschickt wird weiterhin von Bayern aus. Im Logistikzentrum in Kirchroth können täglich bis zu 2.500 Farbdosen individuell pigmentiert werden. Weitere Lager- und Spezialaufgaben übernimmt der Standort in Laaber.

Die fertigen Pakete gehen gebündelt ins Zielland und werden dort an einen regionalen Paketdienst übergeben. In Polen ist das wichtig, weil viele Kundinnen Paketstationen der Lieferung an die Haustür vorziehen. Parallel wächst der stationäre Vertrieb: Seit 2026 ist MissPompadour in mehr als 150 Hornbach-Märkten in Deutschland und weiteren europäischen Ländern vertreten.

Bekanntheit braucht Zeit

Vieles hat sich MissPompadour beim Gang ins Ausland selbst erarbeitet. Bei einzelnen Fragestellungen nutzt das Unternehmen jedoch auch externe Ansprechpartner. Als MissPompadour nach möglichen Lieferanten in Tschechien suchte, stand das Unternehmen beispielsweise mit der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim in Kontakt.

Unternehmen, die einen neuen Markt angehen wollen, rät Reintjes zuerst zu einem ehrlichen Blick auf das eigene Produkt. Passt es zu den Gewohnheiten im Land? Danach brauche es Mut und Geduld. „Es dauert drei, vier, fünf Jahre, bis man erst einmal erzählt hat, wer man eigentlich ist und was das Produkt kann.“ Wer sofort hohe Summen in Werbung steckt, könne diese Zeit nicht einfach überspringen.

Außerhalb Europas will das Unternehmen vorerst nicht expandieren; dafür wären weitere Strukturen, Partner und deutlich größere Investitionen nötig. Erfolg beginnt für Reintjes ohnehin an einem kleineren Punkt: „Wenn Menschen, die unsere Marke überhaupt nicht kennen, uns allein durch unseren Auftritt so vertrauen, dass sie eine Dose bestellen.”

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