„Wir kennen Musikinstrumentenbauer nur über Internetshops und Ausschreibungen und möchten uns nun selbst ein Bild von der Herstellung machen und die Qualität sehen und anfassen“, sagt Reiseteilnehmer Andrzej Majerski, Chefeinkäufer vom Sinfonie-Orchester Varsovie. Er begutachtet einen Rohling des Stegbauers Josef Teller, einem Traditionsbetrieb, der Stege und andere Bestandteile für Streich- und Zupfinstrumente herstellt. Teller ist einer von fünf Betrieben weltweit, die Stege für Musikinstrumente herstellt. Firmenchef Manfred Teller und Juniorchef Bastian Teller führen die Musikexperten durch die Werkstätten, in denen insgesamt 19 Mitarbeiter die Teile herstellen. „Wir fertigen alles selbst und kaufen nichts zu“, sagt Manfred Teller. Zudem würden keine chemischen Zusätze verwendet. Das Holz für die Stege, auf denen die Saiten der Streichinstrumente liegen, wird auf dem Firmengelände 7-15 Jahre gelagert, die Luft trocknet das Holz, meist Ahorn, Palisander, Buchsbaum oder Ebenholz. Die Teile entstehen hochtechnisiert, computergesteuerte Maschinen, die ein Schlosser in der Firma größtenteils selbst entwickelt, produzieren die Stege für Geigen, Celli, Bässe, Bratschen und auch Banjos. Zehn Arbeitsschritte sind es, bis aus einem kleinen Holzklotz ein fertiger Steg entsteht. 90 Prozent Exportanteil hat Firma Teller, China, Amerika oder Japan stehen auf Weltkarte, auch in Polen gibt es mehrere Kunden. „Eine Reise wie diese ist sehr wertvoll für uns, da wir so gute Kontakte für eventuelle Geschäftsbeziehungen knüpfen können.“, sagt Musikinstrumente Händler Zygmunt Zbigniew von der Firma ZM Concept aus Bydgoszcz.
Die Reise wurde von der Deutsch–Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK Polen) in Kooperation mit der Bayern Handwerk International GmbH (BHI) und der Handwerkskammer Chemnitz (HWK Chemnitz) geführt. Das Projekt ist eine Fördermaßnahme im Rahmen des BMWi-Markterschließungsprogramms für KMU und wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert. Kerstin Tilz von der Geschäftsstelle des Markterschließungsprogramms, die die Reisteilnehmer begleitet, erklärt, dass Förderung im Bereich Kreativwirtschaft bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen viel gefragt ist. Künftig werde es mehr Reisen oder Projekte in diesem Segment geben. Hintergrund dieser Einkäuferreise: Die meisten Instrumente werden in Polen aus dem Ausland bezogen, es gibt nur wenige dort ansässige Instrumentenbauer. Mehrere Städte planen Investitionen im Bau von Musikhäusern und deren Ausstattung mit Musikinstrumenten.
Nächster Halt im Instrumentenbau-Mekka Bubenreuth: Die Firma Dörfler, Spezialwerkstätte für Streichbogen. In der Werkstatt mit 25 Mitarbeitern schauen die Reiseteilnehmer zunächst der Firmenchefin… Dörfler über die Schulter, die die Rohbogen-Stangen zeigt und die Interessierten durch die Pferdehaare mit den Fingern streichen lässt. „Alle Bogenhaare stammen von mongolischen Pferden ab. Diese haben witterungsbedingt weicheres und beständigeres Haar“, sagt Juniorchef Andreas Dörfler. Seit 1940 stellt die Familie Bogen für Streichinstrumente her, die Preisspanne liegt zwischen 120 Euro für einen Schulbogen bis über 4.000 Euro für einen Profi-Bogen. Auch Dörfler hat Kunden – überwiegend Händler - weltweit. Hochulprofessorin Boguslawa Hubisz-Sielska von der Musik-Akademie Krakau streicht über die Fernambuk-Holzleiste für die Bogenstangen und zeigt sich beeindruckt von der Qualität. Ihre Mission ist es, Kontakte zu Instrumenteteil-Herstellern zu knüpfen und diese auch an Kollegen anderer Musikkonservatorien und Hochschulen in Krakau und Umgebung weiter zu geben: „Es werden gerade einige neue Musikeinrichtungen aufgebaut in Krakau, da kommt diese Reise gerade richtig“, sagt die Musikerin. „Face-to-face ist immer am besten“, lautet ihre Erfahrung. Im Direktgespräch könne man Einzelheiten einer Kooperation schneller und einfacher abklären, sagt auch ihr Kollege Robert Szczepanski, stellvertretender Direktor der Oper Posen.
Die Reise geht weiter, nächstes Ziel ist Sachsen: Dort gibt es eine Einkäuferbörse in der Westsächsischen Hochschule Zwickau sowie der Besuch eines Geigenbau-Betriebs sowie eines Herstellers für Metallblasinstrumente.+++ Karoline Rübsam, AWZ
In Kooperation mit Enterprise Europe Network
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