Wie eine fränkische Familienbrauerei internationale Märkte erobert
Weiher –Seit über 150 Jahren steht die oberfränkische Brauerei Kundmüller vor den Toren Bambergs für Tradition, Qualität und Innovationsgeist. Was einst als landwirtschaftlicher Gutshof mit Brauerei für den hauseigenen Gebrauch begann, hat sich über fünf Generationen hinweg zu einem modernen Familienunternehmen entwickelt – und ist heute auch international erfolgreich.
Kundmüller Team, vorne Oswald und Roland Kundmüller
Zahlreiche Preise, Auszeichnungen, Gold-Silber-Bronze-Medaillen und nicht zuletzt der Exportpreis Bayern empfangen BesucherInnen beim Eintritt in das Sudhaus in der kleinen Ortschaft Weiher. Allein beim European Beerstar, dem europäischen Oscar für Biere, wurde der Familienbetrieb 33 Mal ausgezeichnet. Und beim Internationalen Oscar – dem World Beer Cup USA – „sahnt“ Kundmüller jährlich „ab“: Gold für das beste Pils der Welt, das beste Stout, das beste Kellerbier, das beste Rauchbier – die Liste ist unendlich lang. Außerdem gab es 2025 den Klimaschutzpreis der Stadt und des Landkreises Bamberg für seine Nachhaltigkeitstransformation sowie den Zukunftspreis der HWK Oberfranken in der Kategorie Energieeffizienz & nachhaltiges Handwerk.
Preise erzeugen Aufmerksamkeit – auch im Ausland
Exportpreis-Verleihung 2025 in München.
Die zahlreichen Preise sind auch der Grund für die internationale Aufmerksamkeit, die Kundmüller erlangt hat. „Mit den Preisen wurden wir auch im Ausland sichtbar – der erste Kunde aus Italien kam im Jahr 2006 somit ganz von selbst auf uns zu, als er bei dem Wettbewerb auf der Suche nach einer guten fränkischen Brauerei war“, so Oswald Kundmüller, der den Betrieb zusammen mit seinem Bruder Roland leitet. „Unsere Brauerei gibt es seit 1874, aber das Anwesen ist schon seit 1782 in Familienbesitz“, erzählt Kundmüller. „Und die nächste Generation steht schon bereit.“
Alles an einem Ort und einer Stelle: An das neue Sudhaus, ausgestattet mit modernster Technik, angeschlossen sind das Logistik- und das Füllzentrum, ein Lagerkeller, ein Gästehaus mit Zimmern und Ferienwohnungen, eine Gaststätte, der in der Region sehr beliebte Biergarten= fränkisch Keller – eine kleine Schnapsbrennerei und sogar eine hauseigenes kleines Biermuseum mit historischen Geräten und Bierkrügen. In der Hausmetzgerei werden Fleisch und Wurstwaren für die Gastronomie selbst hergestellt. Die Schnapsbrennerei betreibt Oswald und Rolands Vater Erwin Kundmüller.
Wendepunkt: Flaschenabfüllung
Besuch in Weiher: Oswald und Roland Kundmüller mit Dr. Johanna Horzetzky, Teamleitung International an der IHK für Oberfranken Bayreuth
Ein entscheidender Wendepunkt auch für das Exportgeschäft kam für die Brauerei 1997 mit der Einführung der Flaschenabfüllung. Damals lag die Produktion noch bei rund 700 Hektolitern. Heute sind es über 25.000. Parallel dazu wuchs auch die Sortenvielfalt erheblich.
Was vor gut 20 Jahren mit einer einzelnen Palette nach Italien begann, entwickelte sich zu einer stabilen Geschäftsbeziehung. Italien ist heute der wichtigste Exportmarkt mit 20 Paletten pro Monat, gefolgt von Ländern wie den Niederlanden, Spanien, Norwegen, Schweden und Großbritannien. Besonders wichtig sei dabei der persönliche Kontakt: „Man muss die Leute einladen, ihnen unsere Brauerei zeigen. Wenn sie die Atmosphäre erleben, überzeugt das oft mehr als alles andere.“ Gäste aus der ganzen Welt bringen die Kundmüllers in ihrem Gästehaus unter.
Kooperationsprojekte mit europäischen Brauhäusern
Gästehaus und Biermuseum Kundmüller, Weiher
Auch Kooperationen mit internationalen Brauereien spielen eine Rolle. Gemeinsame Brauprojekte mit Partnern aus Europa, den USA oder Brasilien stärken nicht nur das Netzwerk, sondern fördern auch den kreativen Austausch und bereichern beide Seiten mit brauhandwerklichen Tipps und Kniffen. „Dadurch sind echte Freundschaften entstanden. Es geht nicht nur um Geschäftliches, sondern auch um gemeinsame Unternehmungen, wenn wir zusammen sind.“, sagt Oswald Kundmüller
Geduld ist angesagt
Auszeichnungen der Kundmüller Biere
Immer unterstützend bei der Geschäftsabwicklung sind die ExpertInnen der in den jeweiligen Ländern ansässigen Auslandshandelskammern und der Handwerkskammer sowie der IHK Oberfranken.
Trotz der Erfolge bleibt der Export herausfordernd. Bürokratische Hürden, unterschiedliche Marktbedingungen und nicht zuletzt kulturelle Unterschiede erfordern Geduld. „Durchhaltevermögen ist das A und O“, betont Oswald Kundmüller. „Manchmal steckt viel Aufwand in Vorbereitung und Korrespondenz mit möglichen Geschäftspartnern und es kommt dann doch nichts dabei heraus - die oft zitierte vergebene Liebesmüh. Aber man darf sich davon nicht entmutigen lassen.“
Für andere mittelständische Unternehmen hat er einen Tipp „Dranbleiben, Kontakte pflegen und authentisch bleiben. Gerade als Familienbetrieb hat man eine Geschichte – und die ist im Ausland oft ein großer Vorteil.“
In Kooperation mit Enterprise Europe Network
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