Zollbereich und Außenhandel: Anforderungen und die Komplexität nehmen zu
München (Juni 2026) - Das IHK Zollforum Bayern - in diesem Jahr vom 6.-10.7.2026 - hat sich als zentrale Plattform für aktuelle Zoll- und Außenwirtschaftsthemen etabliert. Im Gespräch erklärt Eva Wördemann von der IHK für München und Oberbayern, warum das Forum für Unternehmen in Zeiten neuer Zollvorschriften und der geplanten EU-Zollreform wichtiger denn je ist. Sie gibt Einblicke in aktuelle Herausforderungen der Praxis und zeigt, wie Unternehmen vom Expertenwissen und dem Austausch beim IHK Zollforum Bayern profitieren können.
Eva Wördemann, Bild: privat
Welche aktuellen Zoll- und Außenwirtschaftsthemen stehen in diesem Jahr besonders im Fokus der Veranstaltung?
Das IHK Zollforum Bayern zeichnet sich dadurch aus, dass es aktuelle Praxisthemen in den Mittelpunkt stellt und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern konkrete Impulse für ihre tägliche Arbeit vermittelt.
Gerade im Zollbereich nehmen die Anforderungen und die Komplexität kontinuierlich zu. In unserer Beratung erreichen uns aktuell besonders viele Fragen zum Dauerbrenner Warenursprung und Präferenzen. Die Freihandelsabkommen mit Mercosur und Indien, die Weiterentwicklung des Regionalen Übereinkommens werden daher einen Themenblock darstellen.
Zudem steht die EU-Zollreform vor der Tür. Die umfassende EU-Zollreform, die im März 2026 beschlossen wurde, modernisiert und digitalisiert den europäischen Handel grundlegend, so zB mit der Etablierung von einer EU-Zolldatenplattform, um nur einen Kernpunkt zu nennen. Unternehmen wollen wissen, was auf sie zukommt und daher wird auch dies praxisnah an einem Vormittag erläutert.
Welche Herausforderungen beschäftigen die bayerischen Unternehmen aktuell aus Ihrer Sicht am stärksten?
Aus meiner Sicht besteht die größte Herausforderung derzeit darin, bei den vielen parallelen Entwicklungen im Zoll- und Außenwirtschaftsbereich den Überblick zu behalten.
Für viele Unternehmen ist es zudem herausfordernd, die neuen Entwicklungen organisatorisch und technisch in ihre Geschäftsabläufe zu integrieren. Das erfordert Know-how, Ressourcen und nicht zuletzt die Bereitschaft, sich kontinuierlich mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen.
Und schließlich, nach wie vor die größte Herausforderung bei den Unternehmen ist der Bürokratismus, der gerade im Zusammenspiel Zoll und Exportkontrolle inzwischen häufig über’s Ziel hinausschießt. Die Devise heißt längst nicht mehr: „know your customer“, mittlerweile sind wir – gerade in der Exportkontrolle – bei „know your customer‘s customer“ angekommen. Und ohne Exportkontrolle geht es nicht – da freuen wir uns doch schon auf die Münchner Exportkontrollwoche im Herbst, die genau dieses Thema auch beleuchten wird.
Mit dem digitalen Carnet ATA wird ein wichtiger Schritt in Richtung Digitalisierung von Zollverfahren gegangen. Welche Erfahrungen konnten bereits gesammelt werden?
Genau. Am 1. Juni diesen Jahres führten die Europäische Union, die Schweiz, das Vereinigte Königreich und Norwegen gemeinsam das volldigitale Carnet ein. Bei der vorübergehenden Ausfuhr (z.B. wenn Waren auf einer Messe im Drittland gezeigt werden), erfolgt nun nicht nur die Antragstellung digital bei der IHK, sondern ggf. auch der weitere Prozess von der Eröffnung bis zur Reiseabwicklung.
Die Unternehmen haben diese Entwicklung sehr positiv aufgenommen. Bis alle Carnet-Länder auf das volldigitale Verfahren umgestellt haben, wird es aber noch mindestens bis Ende 2027 dauern. In dieser Übergangsphase wird es durchaus so sein, dass das Carnet-Verfahren volldigital und analog (also in Papier) umgesetzt wird. Erst nach Abschluss der Übergangsphase werden die Vorteile des volldigitalen Carnets vollumfänglich greifen.
Warum sollten sich Unternehmen gerade jetzt intensiv mit Themen wie Zoll-Compliance und der Digitalisierung von Außenwirtschaftsprozessen beschäftigen?
Unternehmen sollten sich aktuell intensiv mit diesen Themen befassen, weil sich die Anforderungen im Zoll- und Außenwirtschaftsbereich wie geschildert stetig weiterentwickeln und Fehler zunehmend kostspielig werden können.
Zoll-Compliance ist längst kein reines Pflichtthema mehr, sondern ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Risikomanagements. Fehler bei der Tarifierung, der Ursprungsermittlung oder in Zollanmeldungen können zu Nachforderungen, Bußgeldern oder Verzögerungen in den Lieferketten führen. Mit möglichen Konsequenzen beschäftigt sich übrigens auch ein Modul beim IHK Zollforum Bayern.
Zoll-Compliance und Digitalisierung keine getrennten Themen. Digitale Prozesse schaffen Transparenz und Nachvollziehbarkeit und unterstützen Unternehmen dabei, ihre Compliance-Anforderungen effizienter zu erfüllen. Deshalb sollten beide Themen heute strategisch betrachtet und aktiv vorangetrieben werden.
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