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Containerschiff im Hafen.

Going International 2025 - Auswertung für Hessen

Hessische Unternehmen spüren zunehmenden Gegenwind

Der Welthandel ist im Umbruch und das bekommen auch hessische Unternehmen zu spüren. In wichtigen Exportregionen haben sich die Rahmenbedingungen in den letzten 12 Monaten deutlich verschlechtert. Dies ist das Ergebnis der Umfrage Going International, an der sich auch wieder zahlreiche hessische Unternehmen beteiligten.

Die hessischen Unternehmen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage im Auslandsgeschäft auf den Kernmärkten Eurozone, Vereinigten Staaten und China, die zusammen für knapp 60 Prozent der hessischen Ausfuhren stehen, zum Jahresbeginn 2024 schlechter ein als vor einem Jahr. Zwar wird die Geschäftslage in den USA mit +18 Punkten und in der Eurozone mit +2 anders als in China (-13) im Saldo noch positiv bewertet, in allen drei Regionen ist aber eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr sichtbar. Im Saldo positiv stellt sich die Geschäftslage aktuell außerdem noch in den europäischen Nachbarmärkten dar, die nicht im Euroraum liegen, also insbesondere Polen, die Schweiz und Norwegen, sowie im restlichen Asien. Auf allen anderen Auslandsmärkten, also insbesondere Südosteuropa, Afrika und Südamerika überwiegt eine negative Geschäftslage in unterschiedlich starker Ausprägung. Bemerkenswert ist das Vereinigte Königreich, für das sich die negative Einschätzung von –41 auf –12 erheblich verringert hat, was darauf hindeutet, dass sich das UK-Geschäft allmählich von den Brexit-bedingten Verwerfungen erholt.  

Gegenüber dem Vorjahr bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftssituation vor allem in den Schwellenländern in Afrika, Mittel- und Südamerika sowie dem Nahen Osten etwas positiver. Im Nahen Osten ist die Einschätzung inzwischen vergleichbar der für die Eurozone. Das dürfte hauptsächlich auf die beiden wichtigsten Märkte der Region also die Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien zurückzuführen sein. Ebenfalls stark verbessert haben sich die Geschäfte in Süd- und Mittelamerika und Subsahara-Afrika allerdings auf niedrigerem Ausgangsniveau.

Geschäftssituation in den Weltregionen

Saldo aus „gut“ und „schlecht“ in Punkten

Perspektiven für das wichtige US-Geschäft trüben sich massiv ein

Gleichzeitig haben sich die Erwartungen der Unternehmen für das Auslandsgeschäft im weiteren Jahresverlauf im Vorjahresvergleich nicht entscheidend verbessert. Zwar haben sich die durchwegs und teils erheblich negativen Saldos, die die Geschäftsperspektiven im letzten Jahr für zahlreiche Auslandsmärkte prägten, abgebaut. Sie bleiben aber im negativen Bereich. Einzige Ausnahme ist auch bei den Geschäftsperspektiven der Nahe Osten, wo nunmehr wieder ein leicht positives Saldo von +2 erreicht wird. Vor einem Jahr waren die Erwartungen mit einem Wert von –21 ausgesprochen negativ, damals im Lichte der politisch hoch angespannten und unsicheren Lage infolge des Angriffs der Hamas am 7. Oktober 2023 und der israelischen Gegenreaktion. Die tatsächliche Geschäftssituation übertraf dann die Erwartungen, wie sowohl die Umfrage als auch die tatsächlichen Exportzahlen bestätigen.

Bei den Prognosen für das das Jahre 2025 wirft vor allem die neue Handelspolitik der USA ihre Schatten voraus und verdüstert die Aussichten im wichtigsten hessischen Exportmarkt. Bei der letzten Umfrage stach das US-Geschäft in einem weitgehend negativ beurteilten globalen Umfeld noch als Lichtblick hervor. Für 2025 haben die Geschäftserwartungen für den US-Markt ihr Vorzeichen geändert und sind so negativ wie für keinen anderen Auslandsmarkt, von Russland abgesehen.

Hier spiegelt sich deutlich die Skepsis der Unternehmen gegenüber der protektionistischen Handelspolitik der neuen Trump-Regierung wider. Dazu passt, dass die hessischen Unternehmen auch ihre Geschäftsperspektiven in Kanada und Mexiko nach unten korrigiert haben. Lediglich etwas mehr als ein Viertel der Befragten erwarten für das eigene Unternehmen keine Auswirkungen infolge der Einführung von Zusatzzöllen. Mit jeweils 35 Prozent erwartet die überwältigende Mehrheit hingegen geringe bzw. starke Beeinträchtigungen ihres US-Geschäfts.

Globale Geschäftsperspektiven der hessischen Unternehmen

Saldo aus "besser" und "schlechter", in Punkten

EU bleibt Spitzenreiter bei nichttarifären Handelshemmnissen

58 Prozent der befragten Unternehmen beklagen eine Zunahme von Handelshemmnissen. Das ist ein Rückgang von 7 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr, nach wie vor aber belastet das Thema deutlich mehr als die Hälfte Unternehmen.

Anteil der Unternehmen, die eine Zunahme von Hemmnissen bei ihren internationalen Geschäften gespürt haben, in Prozent

Dabei ist die Liste konkreter Hemmnisse, die Unternehmen den Marktzugang erschwert, lang. Am häufigsten haben es die Unternehmen mit lokalen Zertifizierungsanforderungen und erhöhten Sicherheitsanforderungen an ihre Produkte zu tun. Das betrifft nicht nur das Geschäft mit den USA, dem Vereinigten Königreich oder China, sondern die Unternehmen nehmen das besonders deutlich im Geschäft mit Kunden in der Eurozone wahr. So beklagen 44 Prozent der Unternehmen zusätzliche Zertifizierungsanforderungen. Ein klarer Hinweis darauf, dass der EU-Binnenmarkt als gemeinsamer Markt ohne Schranken noch keineswegs vollendet ist.

Teilweise sind Sanktionsvorschriften zu beachten. Deren Relevanz ist laut Umfrage aber im Vergleich weiter zurück gegangen (37 Prozent gegenüber 40 bzw. 49 Prozent in den beiden Vorjahren), was nicht zuletzt daraus resultieren dürfte, dass sich die betroffenen Unternehmen aus den betroffenen Märkten, insbesondere Russland teilweise komplett zurückgezogen haben.

Beeinträchtigungen des eigenen Auslandsgeschäfts durch Zölle wurden mit Abstand am häufigsten mit Blick auf die USA genannt (48 Prozent), an zweiter Stelle das Vereinigte Königreich (26 Prozent).

Konkret berichten einzelne Unternehmen von komplexer gewordenen Einfuhrverfahren in wichtigen Drittländern wie den USA und dem Vereinigten Königreich, die mehr Zeit und Ressourcen binden, aber auch von parallelen nationalen Überwachungssystemen des Warenverkehrs im EU-Binnenmarkt, beispielsweise dem ungarischen EKAER und dem rumänischen UIT. Diese bedeuten für die Unternehmen und ihre Kunden neue Registrierungspflichten.

Darüber hinaus beklagen 60 Prozent der befragten Unternehmen bürokratische Hürden und Unsicherheit bei der Umsetzung von Regeln im Auslandsgeschäft. Nach konkreten Problemen gefragt, wurden an erster Stelle das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (69 Prozent) genannt, weiter Verpackungsvorschriften (44 Prozent) und der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (42 Prozent). Doch auch Meldepflichten bei Mitarbeiterentsendungen und Aufwand für die Visumsbeantragung für Geschäftspartner und Mitarbeiter werden als aufwändig Hemmnisse für das eigene Auslandsgeschäft wahrgenommen.

Zur Umfrage

Going International ist eine Umfrage der 79 deutschen Industrie- und Handelskammern zum Auslandsgeschäft ihrer Mitgliedsunternehmen. An der diesjährigen Umfrage haben sich in Hessen zwischen dem 24. Februar und dem 7. März 2025 insgesamt 202 Unternehmen beteiligt.

80 Prozent der befragten Unternehmen haben bis zu 249 Beschäftigte, insgesamt zwölf Prozent bis zu 999 und insgesamt acht Prozent 3.000 Mitarbeiter oder mehr. Die teilnehmenden Unternehmen gehören überwiegend den Branchen Handel und Dienstleistungen (je 18 Prozent), der Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie (15 Prozent) und dem Maschinenbau (14 Prozent) an.

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