Going International 2026: Bessere Geschäftslage und schlechtere Erwartungen in Hessen
Das Auslandsgeschäft hessischer Unternehmen ist geprägt von zunehmendem Protektionismus, steigenden regulatorischen Hürden und wachsender geopolitischer Unsicherheit.
Die bundesweite Studie Going International 2026 bildet noch nicht die neuen Herausforderungen durch den Krieg im Nahen Osten ab, spiegelt aber dennoch den aktuell massiven Gegenwind für den freien Welthandel.
- 69 Prozent der Unternehmen melden eine Zunahme von Handelshemmnissen, ein Höchststand in der Geschichte der Erhebung.
- 66 Prozent dieser Betriebe sind von höheren Zöllen betroffen, vor allem im Geschäft mit den USA
- 83 Prozent der Befragten sehen hausgemachte Hürden aus Deutschland und der EU als Belastung für ihr Auslandsgeschäft
Im wichtigen US-Markt drehen Geschäftslage und -erwartungen tief ins Negative. Eine Sonderauswertung USA der gleichen Studie zeigt, wie kritisch deutsche Unternehmen den US-Markt inzwischen sehen.
Positive Geschäftsperspektiven gibt es in Indien und Lateinamerika. In beiden Märkten werden Freihandelsabkommen den Warenaustausch künftig erleichtern.
Aus Hessen haben sich 116 Unternehmen an der bundesweiten Befragung beteiligt. Bei der aktuellen Geschäftslage fällt zunächst auf, dass hessische Unternehmen die Situation in einigen wichtigen Märkten günstiger einschätzen als der Bundesdurchschnitt. Besonders deutlich wird dies mit Blick auf Indien, wo die eigene Geschäftssituation deutlich günstiger eingeschätzt wird, sowie auf die sonstige EU, Schweiz und Norwegen, welche in Hessen noch einmal besser abschneidet als im Bundesdurchschnitt.
Die aktuelle Geschäftslage in den wichtigen Märkten USA und China wird in Hessen etwas weniger negativ bewertet als im Bund. Demgegenüber steht eine kritischere Bewertung der Eurozone durch hessische Unternehmen. Während diese im bundesweiten Ergebnis noch klar positiv bewertet wird, ergibt sich in Hessen lediglich ein ausgeglichener Saldo. Untermauert werden die Umfrageergebnisse von den hessischen Außenhandelszahlen des vergangenen Jahres, die besser als im Rest des Landes ausgefallen sind.
Anders stellt es sich mit Blick auf die Geschäftsperspektiven dar. Hier überwiegt in Hessen der Pessimismus. Besonders ausgeprägt ist dies erneut beim US-Markt: Während sich deutschlandweit bereits ein stark negativer Erwartungssaldo von −27 Punkten gebildet hat, fällt dieser in Hessen mit −39 Punkten nochmals deutlich schlechter aus.
Ein ähnliches Muster zeigt sich auch in der Eurozone, wo Hessen mit −10 Punkten klar pessimistischer ist als der bundesweite Durchschnitt (−3 Punkte). Auch für China sind die Erwartungen hessischer Unternehmen spürbar negativer als im Rest des Landes.
Hinzu kommt, dass einige Regionen, die im Bundesergebnis zumindest leicht positive Perspektiven aufweisen, in Hessen lediglich stagnierend oder bereits negativ eingeschätzt werden. Dies betrifft insbesondere Asien/Pazifik sowie Süd- und Mittelamerika. Eine der wenigen Ausnahmen bildet Indien: Hier sind die Erwartungen mit 17 Punkten identisch und somit in beiden Auswertungen klar positiv. Ebenfalls positiver als im Bundesdurchschnitt wird zum Zeitpunkt der Umfrage der Nahe Osten eingeschätzt, der in Hessen mit 4 Prozent einen leicht positiven Erwartungssaldo erreicht, während er bundesweit lediglich auf ein ausgeglichenes Niveau kommt.
Ein weiterer, wenn auch quantitativ kleiner Unterschied zeigt sich bei den Handelshemmnissen. Der Anteil der Unternehmen, die eine Zunahme berichten, liegt in Hessen mit 72 Prozent leicht über dem ohnehin hohen Bundeswert von 69 Prozent. Damit bestätigen die hessischen Ergebnisse den bundesweiten Trend, weisen aber auf eine etwas stärkere Betroffenheit hin.
Zusammenfassung
Hessen unterscheidet sich vom Bundesdurchschnitt durch eine stärkere Differenzierung zwischen Gegenwart und Zukunft. Die aktuelle Geschäftslage wird in mehreren Regionen – teils etwas, teils sehr viel – günstiger bewertet als im Bund. Gleichzeitig sind die Erwartungen bis auf wenige Ausnahmen deutlich pessimistischer, insbesondere in zentralen Märkten wie den USA und der Eurozone. Hessen zeigt damit ein Bild von relativ stabiler Gegenwart bei gleichzeitig eingetrübtem Ausblick, während die bundesweiten Ergebnisse insgesamt weniger große Ausschläge zeigen.
Zur bundesweiten Umfrage
Going International ist eine Umfrage der 79 deutschen Industrie- und Handelskammern zum Auslandsgeschäft ihrer Mitgliedsunternehmen. An der diesjährigen Umfrage haben sich in Hessen zwischen dem 2. und 13. Februar 2026 insgesamt 116 Unternehmen beteiligt.
Zu bundesweiten Auswertung von Going International
Weitere Grafiken zur Auswertung für Hessen