DIHK-Blitzumfrage: Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf die hessische Wirtschaft
Die Bedeutung der Region für die hessische Wirtschaft
Der Nahe Osten ist für die hessische Wirtschaft seit mehreren Jahren eine zunehmend relevante Absatz- und Kooperationsregion, insbesondere für exportorientierte Unternehmen. Die hessischen Exporte nach Saudi-Arabien sind zwischen 2020 und 2025 um 25 Prozent auf rund 650 Millionen Euro gestiegen. Noch dynamischer entwickelten sich die Ausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate, die im gleichen Zeitraum um 135 Prozent auf 567 Millionen Euro zulegten. Auch in den Iran exportierten hessische Unternehmen im Jahr 2025 weiterhin Waren im Wert von 163 Millionen Euro, überwiegend pharmazeutische Erzeugnisse, die rund 80 Prozent des Exportvolumens ausmachten.
Entsprechend positiv fiel noch vor Ausbruch des aktuellen Konflikts die Einschätzung der Unternehmen aus, die in der Region aktiv sind. In der DIHK‑Umfrage „Going International“, die vor dem Krieg durchgeführt wurde, bewerteten hessische Unternehmen ihre Geschäftslage im Nahen Osten überwiegend als zufriedenstellend bis gut. Zwar ist der Markt für einen Großteil der hessischen Unternehmen nicht relevant, die dort engagierten Betriebe zeichneten jedoch ein insgesamt positives Bild. Der Nahe Osten stach bereits zur Jahreswende 2025/26 durch eine vergleichsweise gute Geschäftssituation hervor und wurde auch mit Blick auf die Perspektiven überdurchschnittlich optimistisch eingeschätzt: 23 Prozent der Unternehmen erwarteten bessere, 58 Prozent gleichbleibende und lediglich 19 Prozent schlechtere Geschäfte.
Die Umfrageergebnisse für Hessen
Vor diesem Hintergrund gewinnen die Ergebnisse der aktuellen DIHK‑Blitzumfrage zusätzlich an Bedeutung. Die folgenden Auswertungen basieren auf einer Umfrage, die vom 13. bis 15. April 2026 zu den aktuellen Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die deutsche Wirtschaft durchgeführt wurde. Bundesweit beteiligten sich rund 2.400 Unternehmen, darunter 276 Unternehmen aus Hessen.
Die Auswertung zeigt, dass die hessischen Unternehmen in ähnlichem Ausmaß betroffen sind wie der Bundesdurchschnitt. So berichten 84 Prozent der Unternehmen in Hessen, dass sich die Krise im Nahen Osten aktuell schädlich auf ihr Geschäft auswirkt (Deutschlandweit: 83 Prozent). Die hessische Stichprobe ist dabei breit aufgestellt und umfasst Unternehmen aus der Industrie, dem Handel, dem Baugewerbe, dem Gastgewerbe, dem Verkehrssektor sowie weiteren Dienstleistungsbereichen.
Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse, dass die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten mittlerweile spürbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage der Unternehmen in Hessen haben und damit zunehmend auch Regionen erfassen, die bislang von einer positiven Marktentwicklung geprägt waren.
Ist Ihr Unternehmen vom Krieg im Nahen Osten negativ betroffen?
84 Prozent der befragten Firmenvertreter sagen, dass Ihr Unternehmen negativ betroffen ist vom Nahost-Konflikt.
Kostenbelastungen als zentrales Problemfeld
Aus Sicht der Betriebe äußern sich die Belastungen derzeit vor allem in gestiegenen Kosten, die die laufende Geschäftstätigkeit zusätzlich unter Druck setzen. Als wichtigste Belastungsfaktoren nennen die Unternehmen insbesondere steigende Energiepreise sowie erhöhte Fracht- und Transportkosten. In Hessen berichten 70 Prozent der Unternehmen von negativen Auswirkungen durch höhere Energiepreise, 69 Prozent sehen ihr Geschäft durch gestiegene Transport- und Logistikkosten beeinträchtigt.
Damit dominieren kostengetriebene Effekte das aktuelle Stimmungsbild und machen deutlich, wie unmittelbar geopolitische Konflikte auf zentrale Produktions‑ und Wertschöpfungsfaktoren der Wirtschaft durchschlagen.
Inwiefern beeinträchtigt der Krieg Ihr Unternehmen?
Die Grafik stellt die einzelnen Belastungsfaktoren dar und zeigt deren Verbreitung unter den befragten Unternehmen in Prozent, Mehrfachnennung waren möglich.
Reaktionen der Unternehmen
Die weitere Auswertung zeigt, wie die Unternehmen aktuell auf die Auswirkungen des Nahostkonflikts reagieren. Deutlich wird, dass vor allem unternehmensinterne Anpassungsmaßnahmen im Vordergrund stehen. Besonders häufig reagieren die Betriebe mit Preisanpassungen, einer Verstärkung des Risikomanagements und des laufenden Monitorings sowie mit der Verschiebung oder Zurückstellung von Projekten und Investitionen.
Zugleich macht die Darstellung sichtbar, welche Wirtschaftszweige sich derzeit besonders stark betroffen zeigen. Damit wird deutlich, in welchen Branchen die geopolitischen Spannungen aktuell am stärksten durchschlagen und wie breit die wirtschaftlichen Auswirkungen in Hessen ausfallen.
Wie reagiert Ihr Unternehmen auf den Krieg?
Die Grafik stellt die einzelnen Reaktionen dar und zeigt deren Verbreitung unter den befragten Unternehmen in Prozent, Mehrfachnennung waren möglich.
Fazit
Die Ergebnisse der DIHK‑Blitzumfrage machen deutlich, dass der Nahostkonflikt die hessischen Unternehmen bereits breit und spürbar belastet. Während der Nahe Osten vor Ausbruch des Krieges noch als dynamische und überwiegend positiv bewertete Wirtschaftsregion galt, zeigen sich die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen inzwischen deutlich in der betrieblichen Praxis. Die hohe Betroffenheit der Unternehmen in Hessen entspricht dabei weitgehend dem Bundesdurchschnitt.