
Neue Zölle im Warenverkehr mit Nordamerika
Der Einsatz von hohen länder- und branchenspezifischen Zöllen durch die US-Administration stellt einen radikalen Bruch mit den etablierten Grundsätzen des internationalen Handels dar und bedroht weltweite Lieferketten.
Der Zoll-Deal mit den USA bringt für meisten hessischen Unternehmen keine Entlastung, wie die Auswertung der DIHK-Blitzumfrage zeigt.
Zur Auswertung
Was bringt der Zoll-Deal zwischen den USA und der EU?
Die Ende Juli bekannt gegebene Vereinbarung zwischen der EU und den USA ist noch nicht im Detail ausgearbeitet.
Was wir wissen (Stand 14. August):
- 15 Prozent auf alles: Seit dem 7. August 2025 gilt seitens der USA ein einheitlicher „all-inclusive“-Zollsatz in Höhe von 15 Prozent für Waren aus der EU.
- Anders als bei den bisher geltenden 10 Prozent "auf Alles" werden bestehende Zölle auf Drittlandswaren (MFN-Zölle) nicht addiert. Falls die MFN-Zölle vorher höher waren als 15 Prozent, bleiben diese bestehen und es wird nicht zusätzlich etwas draufgeschlagen.
- Ab dem 29. August sollen auch Sendungen mit einem Warenwert von bis zu 800 US-Dollar mit Einfuhrzöllen belegt werden. Bei Postsendungen und Waren mit EU-Ursprung kann man bei den meisten Waren wählen, ob man 80 USD als Pauschalbetrag oder 15 Prozent auf den Warenwert als Zoll abführt.
- Bei der Einfuhr in die EU sollen zahlreiche US-Ursprungswaren zollfrei werden.
Welche Ausnahmen gibt es?
- Ausgenommen sind Waren, die Stahl- , Aluminium oder Kupfer enthalten. Diese unterliegen je nach Warennummer ganz oder anteilig einem Zollsatz von 50 Prozent. Falls dieser 50 Prozentzollsatz anteilig erhoben wird, wird der Nicht-Stahl- und Aluminiumanteil mit 15 Prozent belastet.
- Bei KfZ- und Teilen gelten, anders als nach dem Deal vom 28. Juli erwartet, weiterhin die Zusatzzölle von 25 Prozent.
- Ferner einigten sich beide Parteien auf wechselseitige Zollfreiheit für diverse Waren, wie etwa Flugzeuge und Bauteile, bestimmte Chemikalien, bestimmte Generika, Halbleiterausrüstungen, bestimmte landwirtschaftliche Produkte, natürliche Ressourcen und kritische Rohstoffe.
- Produkte, diezu mindestens 20 Prozent aus US-amerikanischen Materialien oder Wertschöpfung bestehen, sind anteilig von den neuen Zusatzzöllen ausgenommen
Was ist jetzt wichtig?
- Verträge prüfen:
Üblicherweise zahlt der Importeur den Zoll. Verträge mit dem Incoterm DDP, gemäß dem der Versender auch die Zollgebühren trägt, sind bei Lieferungen an nicht verbundene Unternehmen in den USA unüblich und sollten in der aktuellen Situation nicht verwendet werden. Man kann versuchen, den Umgang mit unerwartet hohen Zöllen, die zwischen Vertragsabschluss und Lieferungen in Kraft treten, schon im Liefervertrag explizit zu regeln.
- Zollwert sorgfältig berechnen:
Hierdurch können unnötige Zollkosten bei der Einfuhr in die USA verhindert werden. Exporteure, die nicht selbst Hersteller sind, können prüfen, ob sie über die sogenannte “First Sale Rule” einen niedrigeren Warenwert zur Einfuhr ansetzen können. (Handels- und Zollberatung der AHK New York)
FAQs
- Ab wann gelten die neuen Zölle?
Neue Zollsätze werden erhoben für Waren, die ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der jeweiligen Zölle zum freien Verkehr abgewickelt oder aus einem Zolllager in den freien Verkehr überführt werden.
- Wird der Zusatzzoll auf Grundlage des Ursprungslands oder des Versandlands erhoben?
Maßgeblich ist das Ursprungsland, in dem die Ware vollständig gewonnen oder wesentlich bearbeitet bzw. verarbeitet wurde.
- Was ändert sich bei den Zollverfahren wie der aktiven Veredelung?
Grundsätzlich ändern sich die bestehenden Verfahren nicht. Bei manchen Zusatzzöllen gibt es allerdings keine Zollerstattung (Drawback).
- Wie finde ich die relevante Warennummer für den US-Import?
Nur die ersten 6 Stellen „unserer“ Warennummer (HS-Code) gelten auch für die USA – danach muss man das Produkt nach dem US-Zolltarif nochmals einreihen, um die Einfuhrbedingungen seitens der USA einsehen zu können.
- Wie funktioniert die Importabwicklung in den USA?
Die Importabwicklung in den USA läuft grundsätzlich über einen Zollagenten. Mit dem Kunden sollte möglichst vorab geklärt werden, welche Angaben sein Zollagent für den Import benötigt.
- Wie hoch sind die US-Zölle für Waren mit Warenursprung außerhalb der EU?
Die USA verhandeln aktuell weltweit. Mit UK, Japan, Indonesien und den Philippinen wurden bis Mitte August Abkommen beschlossen. Die USA erlassen außerdem einseitige Zusatzzölle, wie zuletzt gegen Kanada oder die Schweiz. Eine verlässliche Auskunft, welche Zollsätze tatsächlich aktuell gelten, gibt nur die US-Zolldatenbank HTS bzw. der Zollagent, der die Verzollung in den USA vornimmt.
Wo gibt es Infos?
- Access to Markets Datenbank
Hier werden die Zusatzzölle für EU-Usprungswaren sukzessive aufgeführt. Auf der Startseite nach unten gehen und im gelben Bereich die ersten 6 Ziffern der Warennummer (HS-Code) eingeben, "Deutschland" als Exportland und dann "Vereinigte Staaten" als Bestimmungsland eingeben.
- US-Zolldatenbank HTS
Die Recherche ist hier kompliziert, da sich die Zusatzzölle in Fußnoten und einem großen Sonderkapitel, dem Chapter 99, verstecken.
- Germany Trade and Invest
Hier gibt es umfangreiche Informationen zur US-Handelspolitik, sowie eine detaillierte FAQ-Liste
- Leitfaden zum Customs Value (CBP)
Der Leitfaden beschreibt, wie der Zollwert (Customs Value) zu berechnen ist. -
Suspending Duty-Free De Minimis Treatment for All Countries – The White House
Hier gibt es Infos zum Wegfall der Sonderregelung für Lieferungen bis max. 800 USD.
Wen kann ich ansprechen?
Die Ansprechpartner Ihrer hessischen IHK sehen Sie nach Eingabe der PLZ unten auf dieser Seite.
Handels- und Zollberatung der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer (AHK) New York
Die AHK New York bietet kostenpflichtige Dienstleistungen an, z.B. zur Zollwertermittlung und zur Berechnung komplizierter Sonderzölle, z.B. im Bereich Stahl- und Aluminiumprodukte.
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