Lieferkettengesetz (LkSG): Pflichten, Umsetzung und Auswirkungen auf KMU
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) verpflichtet größere Unternehmen, menschenrechtliche und bestimmte umweltbezogene Risiken in ihren Lieferketten zu erkennen, zu vermeiden und zu minimieren. Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können betroffen sein, wenn sie größere Unternehmen beliefern. Gleichzeitig stehen Änderungen des deutschen Gesetzes und die Umsetzung der europäischen Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) an.
Welche Unternehmen müssen das LkSG beachten? Welche Sorgfaltspflichten bestehen und wie lassen sie sich praktisch umsetzen? Ein Überblick über die gesetzlichen Anforderungen, die Auswirkungen auf KMU und die europäischen Entwicklungen.
Auf dieser Seite
- Für welche Unternehmen gilt das Lieferkettengesetz?
- Welche Risiken erfasst das LkSG?
- Wie setzen Unternehmen die Sorgfaltspflichten praktisch um?
- Was bedeutet das Lieferkettengesetz für KMU?
- Aktuelles zum Lieferkettengesetz: Welche Änderungen sind vorgesehen?
- Deutsches LkSG und europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD): Was ist der Unterschied?
- Welche Unterstützung gibt es für Unternehmen?
Für welche Unternehmen gilt das Lieferkettengesetz?
Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz ist am 1. Januar 2023 in Kraft getreten. Seit dem 1. Januar 2024 gilt es für Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten, sofern die gesetzlichen Voraussetzungen zum Inlandsbezug erfüllt sind. Erfasst werden auch entsprechende Zweigniederlassungen ausländischer Unternehmen in Deutschland.
Bei der Berechnung der Beschäftigtenzahl sind unter anderem bestimmte Konzernstrukturen, ins Ausland entsandte Mitarbeiter sowie Leiharbeiter, die mindestens sechs Monate im Betrieb beschäftigt sind, zu berücksichtigen.
Kleine und mittlere Unternehmen sind in der Regel nicht unmittelbar verpflichtet. Als Zulieferer größerer Unternehmen können sie jedoch mit Anforderungen konfrontiert werden, beispielsweise durch Lieferantenfragebögen, Verhaltenskodizes oder vertragliche Vereinbarungen.
Welche Risiken erfasst das LkSG?
Das Lieferkettengesetz soll Menschenrechte und bestimmte umweltbezogene Rechtspositionen entlang globaler Lieferketten schützen.
Zu den relevanten Risiken gehören beispielsweise:
- Kinderarbeit, Zwangsarbeit und Sklaverei
- Verstöße gegen Arbeitsschutz und angemessene Entlohnung
- Diskriminierung und Einschränkungen der Vereinigungsfreiheit
- Bestimmte Umweltbeeinträchtigungen, etwa durch schädliche Boden- oder Gewässerverunreinigungen
- Verstöße gegen bestimmte internationale Umweltübereinkommen, beispielsweise beim Umgang mit Quecksilber oder gefährlichen Abfällen
Die Verantwortung der Unternehmen ist dabei abgestuft:
- Eigener Geschäftsbereich: Das Unternehmen muss Risiken innerhalb seiner eigenen Geschäftstätigkeit berücksichtigen.
- Unmittelbare Zulieferer: Auch direkte Lieferanten und Vertragspartner werden in die regelmäßige Risikoanalyse einbezogen.
- Mittelbare Zulieferer: Bei konkreten, begründeten Hinweisen auf mögliche Verstöße müssen Unternehmen auch in tieferen Stufen ihrer Lieferkette tätig werden.
Das LkSG begründet eine Bemühenspflicht, keine Erfolgsgarantie. Unternehmen müssen angemessene und wirksame Maßnahmen ergreifen, können aber nicht jede Menschenrechtsverletzung innerhalb ihrer Lieferkette vollständig ausschließen (vgl. hierzu auch Handreichung des BAFA zum Prinzip der Angemessenheit).
Wie setzen Unternehmen die Sorgfaltspflichten praktisch um?
Das LkSG verlangt einen strukturierten und risikobasierten Prozess. Das bedeutet: Unternehmen müssen insbesondere dort ansetzen, wo schwerwiegende Menschenrechts- oder Umweltrisiken bestehen.
Die Umsetzung lässt sich in sechs wesentliche Schritte gliedern.
1. Verantwortlichkeiten und Risikomanagement festlegen
Zunächst müssen verpflichtete Unternehmen ein angemessenes Risikomanagement einrichten und die Zuständigkeiten innerhalb des Unternehmens festlegen.
Dazu gehört insbesondere, Verantwortliche für die Überwachung der Sorgfaltspflichten zu benennen und die Geschäftsleitung regelmäßig über Risiken und Maßnahmen zu informieren.
2. Risiken in der Lieferkette analysieren
Im nächsten Schritt müssen Unternehmen ihre menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken ermitteln. Dabei werden beispielsweise Lieferanten, Beschaffungsländer, Branchen und Produktionsbedingungen berücksichtigt.
Die Risikoanalyse muss mindestens jährlich sowie bei bestimmten Veränderungen oder konkreten Anlässen durchgeführt werden.
Hilfestellung bieten beispielsweise der CSR Risiko-Check und die BAFA-Handreichungen zur Risikoanalyse.
3. Risiken bewerten und priorisieren
Nicht alle Risiken müssen mit identischem Aufwand untersucht und bearbeitet werden.
Unternehmen müssen unter anderem berücksichtigen, wie schwerwiegend eine mögliche Verletzung wäre, wie wahrscheinlich sie ist und welchen Einfluss das Unternehmen auf die Situation hat.
Beispiel: Bestehen bei einem Lieferanten konkrete Hinweise auf Kinderarbeit, sind weitergehende Prüfungen und Maßnahmen erforderlich als bei einem Lieferanten, für den keine vergleichbaren Risiken erkennbar sind.
4. Präventionsmaßnahmen umsetzen
Auf Grundlage der Risikoanalyse müssen Unternehmen geeignete Maßnahmen treffen, um mögliche Verstöße zu verhindern.
Dazu gehören beispielsweise:
- Verabschiedung einer Grundsatzerklärung zur Menschenrechtsstrategie
- Berücksichtigung von Menschenrechtsrisiken beim Einkauf und bei der Lieferantenauswahl
- Schulungen für Beschäftigte und Lieferanten
- Vereinbarung von Verhaltenskodizes (Code of Conduct)
- Risikobasierte Kontrollen und Lieferantenüberprüfungen
Welche Maßnahmen angemessen sind, hängt von der jeweiligen Risikolage und den Einflussmöglichkeiten des Unternehmens ab.
5. Beschwerden ermöglichen und Verstöße beheben
Unternehmen müssen ein Beschwerdeverfahren einrichten, über das auf mögliche Menschenrechtsverletzungen und bestimmte Umweltrisiken hingewiesen werden kann.
Werden tatsächliche Verstöße festgestellt, sind unverzüglich angemessene Abhilfemaßnahmen einzuleiten. Ziel ist es, Verletzungen zu beenden oder ihre Auswirkungen zu minimieren.
Eine Beendigung der Geschäftsbeziehung kommt nach dem LkSG nur unter bestimmten Voraussetzungen als letztes Mittel in Betracht. Vorrangig sollen Unternehmen ihre Einflussmöglichkeiten nutzen, um Verbesserungen zu erreichen.
6. Maßnahmen überprüfen und dokumentieren
Die Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen muss regelmäßig und bei Bedarf anlassbezogen überprüft werden. Unternehmen müssen außerdem die Erfüllung ihrer Sorgfaltspflichten fortlaufend dokumentieren.
Die Dokumentationspflicht bleibt auch im Zuge der vorgesehenen LkSG-Reform bestehen. Von ihr zu unterscheiden ist die gesonderte jährliche Berichtspflicht, deren Abschaffung geplant ist.
Bildquelle: BAFA
Ausführliche Informationen zum Lieferkettengesetz finden Sie bei der zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
Was bedeutet das Lieferkettengesetz für KMU?
Unternehmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten unterliegen grundsätzlich nicht unmittelbar dem LkSG. Sie müssen deshalb nicht allein aufgrund des LkSG ein eigenes umfassendes Risikomanagement, Beschwerdeverfahren oder Berichtssystem einrichten.
Dennoch können sie indirekt betroffen sein, wenn verpflichtete Unternehmen Informationen über ihre Lieferketten anfordern.
Welche Anforderungen können Kunden an KMU stellen?
Große Unternehmen müssen Risiken bei ihren unmittelbaren Zulieferern berücksichtigen. Deshalb können sie ihre Geschäftspartner beispielsweise auffordern,
- Fragebögen zu Arbeitsbedingungen und Lieferketten auszufüllen,
- Informationen über Produktionsstandorte und Vorlieferanten bereitzustellen,
- einen Lieferantenkodex anzuerkennen oder
- bei risikobasierten Kontrollen und Verbesserungsmaßnahmen mitzuwirken.
Wichtig: Die gesetzlichen Sorgfaltspflichten des verpflichteten Unternehmens dürfen nicht pauschal auf seine Zulieferer übertragen werden. Informationsanforderungen und Maßnahmen sollten sich am tatsächlichen Risiko orientieren und angemessen sein.
Wie sollten KMU konkret vorgehen?
Auch ohne unmittelbare gesetzliche Verpflichtung empfiehlt es sich, die eigene Lieferkette systematisch zu betrachten. Ein pragmatisches Vorgehen umfasst folgende Schritte:
1. Eigene Lieferkette überblicken
Erfassen Sie wichtige Lieferanten, Beschaffungsländer und Produktionsstandorte. Besonders relevant sind Lieferbeziehungen, bei denen erhöhte menschenrechtliche oder umweltbezogene Risiken bestehen könnten.
2. Kundenanforderungen prüfen
Klären Sie, weshalb bestimmte Informationen benötigt werden und ob die Anforderungen angemessen sind. Achten Sie darauf, vertrauliche Unternehmensinformationen und Geschäftsgeheimnisse zu schützen.
3. Vorhandene Informationen nutzen
Prüfen Sie, welche Informationen bereits verfügbar sind, beispielsweise aus Lieferantenauswahl, Qualitätsmanagement, Zertifizierungen oder bestehenden Verhaltenskodizes. Nicht jede Kundenanfrage erfordert den Aufbau eines neuen Systems.
4. Bei Risiken gezielt handeln
Werden konkrete Risiken erkennbar, sollten Sie diese mit den betroffenen Lieferanten besprechen und geeignete Verbesserungen vereinbaren.
5. Vertragliche Verpflichtungen sorgfältig prüfen
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Klauseln zu Audits, Garantien, Haftung oder Vertragsstrafen. Nicht jede Forderung eines Großkunden ergibt sich unmittelbar aus dem LkSG. Bei weitreichenden Verpflichtungen kann eine rechtliche Prüfung sinnvoll sein.
Eine frühzeitige Beschäftigung mit den eigenen Lieferketten kann KMU helfen, Kundenanfragen effizienter zu bearbeiten, Risiken zu reduzieren und Geschäftsbeziehungen zu sichern.
Aktuelles zum Lieferkettengesetz: Welche Änderungen sind vorgesehen?
Die Bundesregierung hat im September 2025 eine Reform des LkSG auf den Weg gebracht, um Unternehmen administrativ zu entlasten.
Die vorgesehenen Änderungen betreffen insbesondere zwei Bereiche:
- Berichtspflichten: Die bisherige jährliche Berichtspflicht soll rückwirkend zum Inkrafttreten des LkSG entfallen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat die Einreichung und Prüfung dieser Berichte nach den vorliegenden Informationen bereits eingestellt.
- Sanktionen: Bußgelder sollen künftig auf besonders schwerwiegende Pflichtverletzungen konzentriert werden.
Die grundlegenden Sorgfaltspflichten, darunter Risikomanagement, Risikoanalysen, Präventions- und Abhilfemaßnahmen sowie die interne Dokumentation, sollen bestehen bleiben.
Langfristig soll das deutsche LkSG durch ein nationales Gesetz zur Umsetzung der europäischen Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) ersetzt werden.
Weitere Informationen zum Reformvorhaben bieten das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Deutsches LkSG und europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD): Was ist der Unterschied?
Mit der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) hat die EU einen gemeinsamen Rahmen für unternehmerische Sorgfaltspflichten geschaffen.
Im Rahmen des europäischen Omnibus-I-Pakets hat die EU Erleichterungsmaßnahmen für Unternehmen beschlossen und darin den Anwendungsbereich der CSDDD deutlich eingeschränkt, Anforderungen vereinfacht und die Anwendung verschoben.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick:
| Kriterium | Deutsches LkSG | Europäische CSDDD |
Rechtsstatus
| Nationales Gesetz, seit Januar 2023 in Kraft
| EU-Richtlinie, seit Juli 2024 in Kraft; Umsetzung in nationales Recht erforderlich
|
| Betroffene Unternehmen | Seit Januar 2024 grundsätzlich ab 1.000 Beschäftigten | Grundsätzlich mehr als 5.000 Beschäftigte und mehr als 1,5 Mrd. Euro weltweiter Nettoumsatz |
| Beginn der Anwendung | Bereits anwendbar | Ab 26. Juli 2029 |
Lieferkette
| Eigener Geschäftsbereich und unmittelbare Zulieferer; mittelbare Zulieferer bei konkreten Hinweisen
| Risikobasierte Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, auch unter Berücksichtigung indirekter Geschäftspartner
|
Risikomanagement
| Regelmäßige Risikoanalyse durchführen; Grundsatzerklärung
| Risikobasierter Ansatz; Menschenrechts- und Umweltabkommen zu beachten (Liste ist umfassender als beim LkSG); Auswirkungen identifizieren; Abhilfemaßnahmen treffen; Wirksamkeit der Maßnahmen überprüfen (alle 12 Monate) |
Berichtspflichten
| Jährliche Berichtspflicht entfällt seit Ende 2025; interne Dokumentation bleibt bestehen | Jährliche Erklärung über die Einhaltung der Sorgfaltspflichten
|
Sanktionen
| Bußgeld nur noch bei gravierenden Fällen von Menschenrechtsverletzungen, siehe auch BAFA | Geldbußen von maximal 3 % des weltweiten Nettoumsatzes nach den überarbeiteten EU-Vorgaben |
Die EU-Mitgliedstaaten müssen die überarbeitete CSDDD bis zum 26. Juli 2028 in nationales Recht umsetzen. Unternehmen im Anwendungsbereich müssen die Vorgaben erst ab 26. Juli 2029 anwenden.
Durch die höheren Schwellenwerte werden künftig deutlich weniger Unternehmen unmittelbar unter die europäischen Sorgfaltspflichten fallen als bislang unter das deutsche LkSG.
Für Unternehmen ist jedoch entscheidend: Die künftigen CSDDD-Schwellenwerte ersetzen nicht automatisch die derzeitigen Anforderungen des LkSG. Bis zur entsprechenden nationalen Gesetzesänderung beziehungsweise Ablösung bleibt das deutsche Recht maßgeblich.
Welche Unterstützung gibt es für Unternehmen?
Für die Umsetzung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten stehen verschiedene kostenlose Informations- und Beratungsangebote zur Verfügung:
- BAFA – Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz: Informationen zu gesetzlichen Anforderungen, Risikoanalysen, Angemessenheit und Zusammenarbeit zwischen verpflichteten Unternehmen und Zulieferern.
- KMU-Kompass: Praxisorientiertes Online-Tool des Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte zur Identifikation von Risiken und zur Entwicklung geeigneter Maßnahmen.
- CSR Risiko-Check: Unterstützung des Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte bei der Identifikation menschenrechtlicher und umweltbezogener Risiken nach Ländern, Branchen und Produkten.
- Industrie- und Handelskammern: Die Experten in den IHKs unterstützen Sie gerne bei Rückfragen zu den Lieferkettengesetzen. Zu Ihrer passenden Ansprechperson in der IHK in NRW, Hessen oder Bayern gelangen Sie, wenn Sie unten stehend Ihre Postleitzahl in der Box “Ihre Ansprechpartner” eingeben.
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PLZ eingebenStand: Oktober 2026