Zum Hauptinhalt springen

Online verkaufen

Online verkaufen im Ausland

Grundlagen des E-Commerce

Cross-Border E-Commerce eröffnet neue Märkte – stellt Unternehmen aber auch vor Fragen zu Sichtbarkeit, Lokalisierung und Umsetzung. Dieser Leitfaden bündelt die wichtigsten Schritte für den internationalen Online-Vertrieb: Zielsetzung und strategischer Rahmen, Markt- und Wettbewerbsanalyse sowie die Markteintrittsstrategie inklusive Kanälen (Shop/Marktplätze), rechtlichen Anforderungen, Logistik, Payment, Retouren und Kundenservice.

Hilfreiche Links zu den Themen Zoll und Länderwissen.

  1. Einleitung: E-Commerce im internationalen Vertrieb 
  2. Festlegen der Zielsetzung bzw. des strategischen Rahmens 
  3. Wesentliche Schritte für den internationalen Vertrieb über Online-Shops und Marktplätze
  4. Erarbeitung einer Markteintrittstrategie 
  5. Fazit und Ausblick
Ansprechpartner

Die Experten zu diesem Thema finden Sie am Ende der Seite.

Ansprechpartner anzeigen

1. Einleitung: E-Commerce im internationalen Vertrieb 

Online-Shops und digitale Marktplätze sind heute fester Bestandteil des weltweiten Handels. Für viele Unternehmen – ob Hersteller, Händler oder Dienstleister – ist der Online-Vertrieb längst mehr als ein zusätzlicher Absatzkanal: Er ist ein zentraler Bestandteil ihrer internationalen Vertriebsstrategie. 

Immer mehr Kundinnen und Kunden kaufen grenzüberschreitend ein. Entscheidend ist nicht mehr, wo sie einkaufen, sondern wie – mit welchen Services, Lieferzeiten und digitalen Erlebnissen sie überzeugt werden. Für Unternehmen bedeutet das: Internationale Sichtbarkeit, nahtlose Logistik und lokalisierte Angebote sind Schlüsselfaktoren für nachhaltigen Erfolg im grenzüberschreitenden Onlinehandel. 

Der digitale Vertrieb über Ländergrenzen hinweg eröffnet Chancen – aber auch neue Wettbewerbsfelder. Während deutsche Anbieter neue Märkte erschließen, treten internationale Wettbewerber ebenso auf den deutschen Markt, oft ganz ohne eigene Niederlassung. 

Dieser Leitfaden zeigt praxisnah: 

  • welche strategischen Fragen Unternehmen im internationalen Online-Vertrieb klären sollten, 

  • welche Schritte für den erfolgreichen Einstieg in den Cross-Border-E-Commerce wichtig sind, 

  • wie eine fundierte Markteintrittsstrategie entwickelt werden kann, 

  • und wie sich die eigene digitale Vertriebsstrategie gezielt auf Auslandsmärkte ausrichten lässt

zurück zum Inhalt

2. Festlegen der Zielsetzung bzw. des strategischen Rahmens 

Ein erfolgreiches Cross-Border-Projekt beginnt mit einer klaren Zielsetzung. Wer neue Auslandsmärkte digital erschließen will, sollte von Anfang an wissen, warum, wofür und unter welchen Bedingungen das Vorhaben umgesetzt werden soll. 

Die Zieldefinition schafft Orientierung, hilft bei Entscheidungen im Projektverlauf und ermöglicht eine spätere Erfolgskontrolle. Sie sollte dokumentiert, regelmäßig überprüft und an aktuelle Daten angepasst werden. 

Typische strategische Zielrichtungen können sein: 

  • das Testen von Marktchancen in einem neuen Land, 

  • die Reaktion auf internationale Wettbewerber, 

  • der Ausbau bestehender Vertriebskanäle, 

  • oder die gezielte Steigerung von Umsatz und Markenpräsenz. 

Neben den Zielen sind die internen und externen Rahmenbedingungen entscheidend. Dazu zählen Ressourcen, Kompetenzen, Abläufe und Besonderheiten des Zielmarkts. Unternehmen sollten frühzeitig prüfen, welche Strukturen vorhanden sind – und wo nachgesteuert werden muss. 

Zentrale Fragen zur Vorbereitung eines Cross-Border-E-Commerce-Projekts: 

  • Welche Ziele sollen mit dem internationalen Online-Vertrieb erreicht werden – und bis wann? 

  • Welche Zielgruppen und Kundensegmente sprechen wir an? 

  • Welche Produkte oder Dienstleistungen eignen sich für den Auslandsverkauf? 

  • Über welche Kanäle wollen wir verkaufen – eigenen Online-Shop, Marktplätze oder beides? 

  • Wie lassen sich bestehende Vertriebskanäle sinnvoll verknüpfen? 

  • Welche Bedeutung hat der Online-Vertrieb im Gesamtvertriebsmix? 

  • Welche internen Kompetenzen und Prozesse sind involviert (z. B. IT, Marketing, Logistik, Service)? 

  • Wie stellen wir den Kundenservice über Ländergrenzen hinweg sicher? 

  • Was machen unsere Wettbewerber im internationalen E-Commerce – und was können wir daraus lernen? 

Die Antworten auf diese Fragen sollten gemeinsam mit Geschäftsführung und relevanten Abteilungen erarbeitet werden. Das schafft Transparenz, fördert Beteiligung und erhöht die Erfolgschancen des Projekts. 

zurück zum Inhalt

3. Wesentliche Schritte für den internationalen Vertrieb über Online-Shops und Marktplätze

Eine gute Vorbereitung ist entscheidend!

Wer Märkte, Kunden und rechtliche Anforderungen kennt, vermeidet Risiken und kann gezielt Chancen nutzen. 

Vor dem Markteintritt sollten Unternehmen ihr Sortiment, Preise und Prozesse an die Bedingungen des Ziellands anpassen und eine passende Marketingstrategie entwickeln. Fehlende Vorbereitung ist einer der häufigsten Gründe, warum Projekte scheitern. 

Empfohlene Schritte: 

  • Externe Analyse: Zielmärkte, Wettbewerber und rechtliche Rahmenbedingungen prüfen. 

  • Interne Analyse: Ressourcen, Abläufe und E-Commerce-Kompetenzen bewerten. 

Eine strukturierte Vorbereitung spart Zeit, reduziert Kosten und erhöht die Erfolgschancen – besonders mit Unterstützung erfahrener Partner oder Auslandshandelskammern (AHKs)

zurück zum Inhalt

Bevor ein Unternehmen in den internationalen E-Commerce startet, gilt es, die passenden Zielmärkte zu identifizieren. Eine fundierte Marktanalyse bildet die Grundlage jeder erfolgreichen Strategie. 

Wichtige Analysefelder: 

  • Marktgröße, Wirtschaftslage und politisches Umfeld 

  • Wettbewerbs- und Preisstruktur 

  • Konsum- und Einkaufsverhalten (B2C/B2B) Siehe nachfolgende Tabelle 

  • Online-Marktreife, Internetdurchdringung und Digitalisierungsgrad 

  • Bevorzugte Kanäle: Marktplätze, Shops, Social Commerce 

  • Kaufkraft, Zahlungsmethoden und Liefererwartungen 

  • Rechtliche Rahmenbedingungen und Verbraucherschutz 

Im ersten Schritt sollte geprüft werden, ob für die eigenen Produkte im Zielland überhaupt Nachfrage besteht. Dafür helfen Branchenberichte, Handelskammern, Verbände, Online-Marktplätze und nationale Statistikportale. 

Auch die E-Commerce-Reife unterscheidet sich je nach Land: Während Märkte wie Deutschland, Frankreich oder die Niederlande bereits etabliert sind, verzeichnen Länder wie Italien oder Spanien oft hohe Wachstumsraten und Chancen für Neueinsteiger. 

Eine Kombination aus externer Analyse (Marktdaten, Wettbewerber, Kanäle) und eigener Marktforschung führt zu den besten Ergebnissen – insbesondere, wenn Nischenmärkte oder spezialisierte Zielgruppen angesprochen werden. 

zurück zum Inhalt

Benutzerrolle

  • B2C: Kunde
  • B2B: Mitarbeiter; Kunde = Firma oder Abteilung

Kaufabsicht

  • B2C: Häufig emotional motiviert und weniger rein bedarfsorientiert
  • B2B: Grundsätzlich bedarfsorientiert

Entscheidungsdauer

  • B2C: Kurz, oft impulsiv; eine Person entscheidet
  • B2B: Länger, strategisch; mehrere Entscheidungsträger involviert

Warenkorbgröße

  • B2C: Eher kleine Warenkörbe
  • B2B: Eher große Warenkörbe

Kundenservice

  • B2C: Fokussiert auf einzelne Endnutzer
  • B2B: Unterstützt Teams oder ganze Unternehmen; hoher Einfluss auf das Gesamtgeschäft

Preisgestaltung

  • B2C: Einheitliche Preise, gelegentlich Rabattaktionen
  • B2B: Unterschiedliche Preise pro Kundengruppe oder individuell vereinbart

Registrierung

  • B2C: Bestellung ohne Prüfung möglich
  • B2B: Häufig erst nach Validierung, z. B. Handelsregisterauszug

Verkaufseinheiten

  • B2C: Stückweise
  • B2B: Unterschiedliche Einheiten wie Palette, Container oder individuelle Maße

Genehmigungsprozess

  • B2C: Nicht erforderlich
  • B2B: Häufig Pflicht; ab bestimmten Warenkorbwerten ist eine Freigabe durch Vorgesetzte nötig

Kundenerlebnis

  • B2C: Muss eine einzelne Person überzeugen
  • B2B: Muss mehrere Rollen und Interessen adressieren

Nachhaltigkeit

  • B2C: Erwartungen steigen durch Kundenbewusstsein
  • B2B: Anforderungen steigen durch rechtliche Vorgaben (z. B. Lieferkettengesetz)

Benutzerfreundlichkeit

  • B2C: Hohe Erwartungen
  • B2B: Niedriger, aber zunehmend wichtiger

Rechteverwaltung

  • B2C: Alle Kunden haben gleiche Sicht und Rechte
  • B2B: Unterschiedliche Berechtigungen je nach Rolle (z. B. Fachkraft, Einkäufer, Einkaufsleitung)

Kommunikation

  • B2C: Kurzfristig und transaktional
  • B2B: Langfristig, persönlich und beziehungsorientiert

 

zurück zum Inhalt

Nach der Marktanalyse folgt der ehrliche Blick nach innen.  

Wichtige Prüffragen für die interne Analyse: 

  • Ist das E-Commerce-Vorhaben neu, oder bestehen bereits Erfahrungen und Kompetenzen im Unternehmen? 

  • Soll der Online-Vertrieb als Hauptkanal dienen oder bestehende Kanäle ergänzen (z. B. Handel, Niederlassungen, Franchise)? 

  • Welche Prozesse – etwa in Vertrieb, IT, Logistik oder Kundenservice – sind betroffen und müssen angepasst werden? 

  • Wie ist die aktuelle Wettbewerbssituation im Heimatmarkt und im Zielmarkt einzuschätzen? 

  • Welche Ressourcen stehen organisatorisch und personell zur Verfügung (z. B. Sprachkenntnisse, Ländererfahrung)? 

  • Ist die IT-Infrastruktur für internationale Anforderungen geeignet (Schnittstellen, Systeme, Datenmanagement)? 

  • Welche Produktzulassungen oder Anpassungen sind für Auslandsmärkte erforderlich? 

  • Welche Synergien können zwischen bestehendem Geschäft und neuem Marktauftritt genutzt werden? 

zurück zum Inhalt

4. Erarbeitung einer Markteintrittsstrategie

Der Erfolg im internationalen E-Commerce hängt stark davon ab, wie gut ein Unternehmen seine Zielgruppe kennt. Erwartungen an Lieferzeiten, Bezahloptionen, Kommunikation oder Transparenz variieren von Land zu Land. 

Wichtige Analyseaspekte: 

  • Demografische und psychografische Merkmale (Alter, Einkommen, Interessen, Motive) 

  • Technologische Nutzung (Geräte, Social Media, Online-Marktplätze) 

  • Bevorzugte Vertriebskanäle und Kaufverhalten 

  • Erwartete Services (Versand, Retouren, Zahlungsmethoden) 

  • Kommunikationsstil und Tonalität 

Im B2B-Bereich lohnt der Blick auf Branchenevents, Fachmessen und Vertriebstraditionen im jeweiligen Land. Auch Wettbewerbsanalysen helfen, das eigene Angebot gezielt zu positionieren: 

Typische Fragen zur Konkurrenzanalyse: 

  • Wer sind die wichtigsten Mitbewerber? 

  • Wie ist deren Markenwahrnehmung und Preisstrategie? 

  • Über welche Kanäle verkaufen sie? 

  • Wie unterscheiden sich Servicequalität und Liefergeschwindigkeit? 

  • Welche Alleinstellungsmerkmale kann das eigene Unternehmen nutzen? 

zurück zum Inhalt

Wer international verkauft, muss die rechtlichen und kulturellen Spielregeln des Zielmarkts kennen. Fehlende Vorbereitung kann schnell zu kostspieligen Fehlern führen – etwa bei Steuern, Vertragsrecht oder Verbraucherschutz. 

Rechtliche Voraussetzungen: 

  • Liefer- und Zahlungsbedingungen, Vertrags- und Haftungsfragen 

  • Datenschutz und AGB-Anforderungen 

  • Verbraucherschutz, Zoll- und Zulassungsvorschriften 

  • Umsatzsteuer- und Registrierungspflichten 

  • Konfliktlösung und Schiedsgerichtsbarkeit 

Kulturelle und kommunikative Besonderheiten: 

  • Sprache: Lokalisierte Inhalte in Landessprache schaffen Vertrauen; reine englische Versionen wirken oft distanziert. 

  • Kommunikationskanäle: Je nach Land dominieren unterschiedliche Plattformen und Social-Media-Kanäle. 

  • Vertrauen: In Märkten mit geringerer E-Commerce-Erfahrung ist Transparenz bei Datenschutz, Bezahlung und Sicherheit entscheidend. 

  • User Experience und Design: Nutzergewohnheiten, Leserichtungen und Interaktionsmuster variieren – Websites sollten darauf abgestimmt sein. 

Wer kulturelle Feinheiten respektiert und rechtliche Vorgaben einhält, schafft die Basis für langfristigen Erfolg im internationalen E-Commerce. 

Weiterführende Links: 

Recht 

Steuern 

zurück zum Inhalt

Bevor ein internationales E-Commerce-Projekt startet, müssen Strukturen, Zuständigkeiten und Prozesse im Unternehmen klar definiert sein. Nur wenn alle Bereiche ineinandergreifen, lässt sich der Markteintritt effizient und skalierbar umsetzen. 

Wichtige organisatorische Schritte: 

  • Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege festlegen 

  • Kompetenzen aufbauen oder extern einkaufen 

  • Mitarbeiter gezielt schulen und informieren 

  • Kooperationspartner und Lieferanten frühzeitig einbinden 

  • Logistikstrukturen für Versand und Retouren definieren 

  • Einheitliche Informations- und Kommunikationsbasis schaffen 

  • Einen gemeinsamen Projektplan und klare Zielvorgaben etablieren 

Ein strukturierter organisatorischer Rahmen sorgt für Transparenz, vermeidet Doppelarbeit und beschleunigt die Umsetzung – besonders, wenn mehrere Länder parallel bearbeitet werden. 

zurück zum Inhalt

Sind die organisatorischen Grundlagen geschaffen, folgt die Wahl der passenden Vertriebskanäle. Unternehmen können ihre Produkte entweder über eigene Online-Shops, über internationale Marktplätze oder über eine Kombination beider Ansätze vertreiben. 

Ein eigener Online-Shop bietet volle Kontrolle über Marke, Preis und Kundenerlebnis, erfordert jedoch den Aufbau von Reichweite, Logistik und Kundenservice. Marktplätze wie Amazon, eBay, Zalando oder andere ermöglichen dagegen einen schnellen Einstieg und hohe Sichtbarkeit, bringen aber auch Abhängigkeiten und Wettbewerb mit sich. 

Marktplätze 

Vorteile: 

  • Einfacher Einstieg in den internationalen Online-Handel 

  • Hohe Sichtbarkeit und Reichweite 

  • Nutzung vorhandener Infrastruktur und Prozesse 

  • Kalkulierbare Kostenstrukturen 

  • Zugang zu etablierten Kundengruppen 

  • Möglichkeit, ein breites Produktspektrum schnell anzubieten 

Nachteile

  • Abhängigkeit vom Marktplatzbetreiber 

  • Teilweise aufwendige Registrierung und Integration 

  • Strenge technische und rechtliche Vorgaben 

  • Hoher Wettbewerb und starker Preisdruck 

  • Eingeschränkte Kundenbindung und Markenpflege 

  • Begrenzter Einfluss auf Präsentation und Kundendaten 

Auswahlkriterien für den richtigen Marktplatz 

Bei der Entscheidung für oder gegen einen Marktplatz sollten Unternehmen folgende Punkte prüfen: 

  • Reichweite und Marktanteil im Zielland 

  • Kundentypen und Zielgruppenabdeckung 

  • Produktsortiment (Generalist vs. Spezialist) 

  • Konditionen, Gebühren und Vertragsbedingungen 

  • Unterstützte Prozesse (Versand, Retouren, Rechnungsstellung) 

  • Technische Schnittstellen zur eigenen IT ( Warenwirtschaftssystem, Produktinformationsmanagement, Datenstrukturen) 

  • Marketing- und Analysetools auf der Plattform 

  • Kundenservice und Kommunikationsmöglichkeiten 

  • Wettbewerbssituation und Rolle des Plattformbetreibers als Händler 

Internationale vs. nationale Marktplätze 

  • Internationale Marktplätze sind in mehreren Ländern aktiv und bieten hohe Reichweite – besonders für breit gefächerte Sortimente. 

  • Nationale Marktplätze bedienen oft spezifische Kundengruppen und können für Nischenprodukte oder bestimmte Branchen besser geeignet sein. 

Ausgewählte Marktplätze nach Region 

  • Nordamerika (USA & Kanada): Amazon, eBay, Walmart, Etsy

  • Asia-Pacific (China & Südostasien): Alibaba (Taobao & Tmall), JD.com, Shopee, Temu

  • Australien & Neuseeland: Amazon, eBay, Etsy, Kogan

  • Indien: Flipkart, Amazon India, Snapdeal

  • UK: Amazon UK, eBay UK, Etsy, OnBuy

  • Niederlande: Bol.com, Coolblue, Amazon NL, Wehkamp

  • Italien: Amazon IT, Zalando IT

  • Mexiko: Mercado Libre MX, Amazon MX, Linio

  • Brasilien: Mercado Livre BR, Americanas Marketplace, Amazon BR

  • Argentinien: Mercado Libre AR, Frávega Marketplace

Eigener Online-Shop 

Wer im Ausland mit einem eigenen Online-Shop startet, hat grundsätzlich zwei Wege: 

  • Lokalisierung des bestehenden Shops – Übersetzung, Anpassung von Preisen, Design, Zahlungsverfahren und Prozessen. 

  • Aufbau eines eigenständigen Shops – speziell für den Zielmarkt, mit eigener Domain, Währung und Infrastruktur. 

Welche Option sinnvoll ist, hängt von der vorhandenen Systemlandschaft, den Ressourcen und den Expansionszielen ab. 

Wichtige Kriterien bei Auswahl und Aufbau eines Shop-Systems: 

  • Möglichkeiten zur Produktbeschreibung (mehrere Bilder pro Produkt, Vergrößerung, Video, 3-D-Ansicht) 

  • Mögliche Produktanzahl (auch bei zukünftigen Erweiterungen) 

  • Möglichkeit zur Abbildung von Varianten (z.B. unterschiedliche Größenbezeichnungen in unterschiedlichen Ländern) 

  • Navigations- (z. B. Zuordnung von Produkten zu mehreren Kategorien) und Suchmöglichkeiten 

  • Internationale Nutzbarkeit (z. B. Mehrsprachigkeit, automatische Lieferkosten- und Steuerberechnung) 

  • Unterstützung der SEO (Suchmaschinenoptimierung), z.B. durch individuelle Titel und Metatags je Produkt und Sprache 

  • Marketing-Funktionen: Gutscheine, Banner, Cross-Selling, soziale Medien bzw. Verknüpfung mit Social-Commerce-Aktivitäten 

  • Skalierbarkeit der Lösung (Ist die Produktanzahl begrenzt? Kann ich weitere Sprachen/Länder aufschalten?) 

  • Sicherheit des Systems (Wird das Thema IT-Sicherheit durch den Anbieter thematisiert? Gibt es regelmäßige kostenlose Updates? Gibt es externe Sicherheitszertifizierungen?) 

  • Support-Funktionalitäten des Herstellers/Dienstleisters 

  • Welche Kosten fallen für die Inbetriebnahme und den laufenden Betrieb des Shop-Systems an? 

  • Welche Lizenzen werden angeboten? (Kauf-Lizenz, Open-Source-Lizenz, Miete) 

  • Fit zur eigenen Infrastruktur und Strategie: Schnittstellen zur Warenwirtschaft (WWS), Produktinformationsmanagement-System 

  • (PIM), Customer-Relationship-Management-System (CRM), Zahlungsabwicklung und weiteren Systemen 

  • Welche Dienstleister (z. B. Logistik, Payment, Steuern, Marktplätze, …) bieten Schnittstellen und Services für das Shop-System an? 

  • Welche Umsetzungspartner/Agenturen gibt es für das Shop-System? 

zurück zum Inhalt

Verkaufsabwicklung und Logistik 

Nach dem Kauf zählt vor allem eines: eine schnelle, zuverlässige und transparente Lieferung. Unternehmen müssen entscheiden, ob sie eigene Lagerstrukturen nutzen oder die Abwicklung an Fulfillment-Dienstleister auslagern. 

Optionen: 

  • Eigene Logistik: volle Kontrolle über Prozesse, aber höherer Aufwand. Verpackung, Versandoptionen und Nachhaltigkeit sollten klar definiert sein. 

  • Externe Anbieter: Anbieter übernehmen Lagerung, Versand und Retouren. Schnittstellen zu ERP- oder Shopsystemen vereinfachen die Integration. 

Wichtige Punkte: 

  • Kompatibilität der Systeme und korrekte Adressformate prüfen 

  • Nachhaltige Verpackungen und transportgerechte Polsterung 

  • Versandoptionen (Sendungsverfolgung, Expressversand, CO₂-Kompensation) anbieten 

Weiterführende Links: 

 

Retourenmanagement im Ausland 

Retouren sind im internationalen Geschäft ein wesentlicher Kostenfaktor. Höhere Porto- und Zollkosten, längere Wege und komplexe Prozesse machen ein strukturiertes Vorgehen nötig. 

Empfehlungen für effiziente Retourenprozesse: 

  • Landesübliche Retourenregeln und Kundenerwartungen kennen 

  • Klare Produktinformationen und Größenangaben bereitstellen 

  • Retourenlabel und einfache Rücksendewege anbieten 

  • Daten zu Retourengründen systematisch auswerten 

  • Prozesse kontinuierlich optimieren und automatisieren 

Viele Händler arbeiten mit externen Retourenpartnern oder Lagerstandorten im Zielland, um Kosten zu reduzieren und Kunden schneller zu bedienen. Ziel sollte immer sein, Retouren zu vermeiden – etwa durch realistische Produktdarstellungen, transparente Kommunikation und zuverlässige Lieferzeiten. 

 

Kundenservice als Erfolgsfaktor 

Ein professioneller Kundenservice stärkt Vertrauen und Markenbindung – besonders bei internationalen Käufen. 

Leitfragen zur Serviceplanung: 

  • Wird der Kundenservice intern oder über Dienstleister organisiert? 

  • Welche Kommunikationskanäle sind relevant (Telefon, Chat, Social Media)? 

  • Welche Sprachen und Servicezeiten werden erwartet? 

  • Lässt sich ein Teil des Services automatisieren (Chatbots, Self-Service, Community)? 

Ein mehrsprachiger, erreichbarer und lösungsorientierter Service ist im Cross-Border-E-Commerce oft der entscheidende Wettbewerbsvorteil. 

 

Payment 

Die Wahl der richtigen Zahlungsmethoden ist im internationalen E-Commerce entscheidend für  die Kaufabschlussrate und Kundenzufriedenheit. Je nach Land unterscheiden sich die Präferenzen deutlich. 

Wichtige Fragen für die Payment-Strategie: 

  • Welche Zahlungsverfahren sind im Zielland am beliebtesten (B2C und B2B)? 

  • Gibt es Unterschiede je nach Produkt, Warenkorbgröße oder Kundentyp? 

  • Welche Gebühren entstehen für Händler – auch im Retourenfall? 

  • Welche Payment Service Provider (PSPs) unterstützen den Zielmarkt? 

  • Lässt sich das bestehende Zahlungssystem international erweitern? 

Neben global etablierten Verfahren wie Kreditkarte, Vorkasse oder PayPal sollten Unternehmen immer auch länderspezifische Zahlungsmethoden prüfen. Ein lokalisierter Zahlungsmix stärkt Vertrauen, senkt Kaufabbrüche und steigert den Umsatz im internationalen Online-Handel. 

Weiterführende Links: 

zurück zum Inhalt

5. Fazit und Ausblick

Cross-Border-E-Commerce bietet enorme Chancen und weist attraktive Entwicklungstendenzen auf. Prognosen sehen für viele Branchen eine vielversprechende Zukunft mit stetig wachsenden Umsatzzahlen. Es wird aber auch deutlich, dass die Internationalisierung kein Erfolgsgarant ist und nicht automatisch die Bilanz eines Unternehmens verbessert. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, ist vor allem eins wichtig: Eine gute Vorbereitung und ein überlegtes Handeln. Man muss sich auf den neuen Markt einstellen, seien es nun Eigenheiten der Kunden, der Logistik, der Dienstleister oder rechtliche Gegebenheiten.  

Nicht selten scheitern unvorbereitete Unternehmen an neuen internationalen Märkten. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben – von falschen Beweggründen (z. B. Erschließung neuer Absatzmärkte) über mangelnde Vorbereitung bis hin zu externen Faktoren, auf die Unternehmen keinen Einfluss haben (z. B. sich ändernde rechtliche oder wirtschaftliche Lage im Zielland). Im Cross-Border- E-Commerce gibt es viele Stellschrauben, denen Beachtung geschenkt werden muss. Jeder Händler sollte diese Faktoren analysieren und darauf basierend eine Internationalisierungsstrategie mit möglichst detaillierten Handlungsschritten entwickeln. Nutzen Sie dazu auch die Hilfe externer Experten sowie Ihre Netzwerke zu befreundeten Unternehmen und Ansprechpartnern. So kann man den Herausforderungen dann auch gemeinsam begegnen. 

zurück zum Inhalt

Dieser Ratgeber ist eine komprimierte und aktualisierte Fassung des Leitfadens Erschließung von Absatzmärkten durch internationalen E-Commerce – Praxisleitfaden 1 (2022) aus dem Projekt ONLINE erfolgreich im Ausland der BIHK Service GmbH und ibi research an der Universität Regensburg GmbH. Gefördert wurde das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi). 

Ihre Ansprechpartner

Hinweis

Bitte geben Sie hier Ihre PLZ ein, um zu Ihren regionalen Ansprechpartnern zu gelangen. Diese stehen Ihnen für individuelle Rückfragen zur Verfügung.

PLZ eingeben