Lage im Nahen Osten: Hinweise für deutsche Unternehmen
Stand: 12.03.2026
Die Sicherheitslage im Nahen Osten bleibt seit dem 28. Februar 2026 dynamisch. Für Unternehmen ergeben sich vor allem Risiken für Lieferketten, Transportverbindungen, Energiepreise und den Einsatz von Mitarbeitenden in der Region.
Was für Unternehmen derzeit relevant ist
- Rund 18 Prozent der weltweiten Luftfrachtkapazitäten stehen derzeit nicht zur Verfügung. Dadurch kann es zu Verzögerungen und Rückstaus im internationalen Warenverkehr kommen.
- In der Golfregion kommt es zu Einschränkungen im Hafenbetrieb.
- Die Straße von Hormus, ein strategischer Engpass für rund 20 Prozent des weltweiten Öltransits, wurde geschlossen.
- Mehrere große Reedereien haben Buchungen für Teile der Golfregion gestoppt oder Routen um das Kap der Guten Hoffnung verlegt. Für Unternehmen bedeutet das längere Laufzeiten, und mehr Unsicherheit in der Planung.
- Die großen Handelsrouten zwischen Asien, Europa und den USA sind bislang nur begrenzt betroffen. Engpässe im Einzelhandel sind nach aktuellem Stand nicht zu erwarten.
- Im Containerverkehr steigen Konflikt- und Notfallzuschläge im persischen Golf. Hinzu kommen deutlich höhere Kriegsrisikoprämien in der Schifffahrt.
- Durch die Einschränkungen im Schiffsverkehr besonders betroffen sind derzeit Öl- und Gaslieferungen. Neue Lieferverträge könnten sich deutlich verteuern. Damit steigt auch das Risiko anhaltend hoher Gaspreise im kommenden Winter, was vor allem energieintensive Unternehmen zusätzlich belasten würde. Beim Öl wirken sich Preisbewegungen besonders schnell aus: Höhere Weltmarktpreise schlagen unmittelbar auf die Kosten für Unternehmen und Verbraucher durch. Trotz des von der Bundeswirtschaftsministerin eingeleiteten Kartellverfahrens geraten bereits erste Branchen unter Druck.
Einordnungen
Relevanz der Straße von Hormus für Deutschland
- Für die Containerschifffahrt ist die Straße von Hormus nur von untergeordneter Bedeutung; sie ist vor allem für den Öltransport strategisch wichtig.
- Die unmittelbare Abhängigkeit Deutschlands von der Straße von Hormus ist vergleichsweise gering. Nur 0,4 Prozent aller deutschen Importe stammen aus Ländern, die in hohem Maß auf diese Route angewiesen sind. Weniger als 1 Prozent der deutschen Importe passieren die Meerenge direkt.
Relevanz der Route am Roten Meer für Deutschland:
- Für den deutschen Außenhandel ist die Route über das Rote Meer deutlich relevanter. Rund 10 Prozent des deutschen Außenhandels werden über den Suezkanal abgewickelt. Etwas mehr als 9 Prozent verlaufen über die Straße von Bab al-Mandab.
Mögliche Risiken für deutsche Unternehmen
Versorgungsketten
- Verzögerungen bei Rohstoff- und Zwischenproduktlieferungen (z. B. Öl, Chemikalien, Gütertransit über GCC-Häfen).
- Mögliche Umleitungen über längere Seewege – Mehrkosten und höhere Transitzeiten.
Sicherheit & Mitarbeiter
- Erhöhte Gefährdung für Personal vor Ort: Konzepte zur Evakuierung, Notfallplanung und Risikobewertung sind dringend anzupassen.
- Zeitweise Betriebseinschränkungen oder Schließungen in betroffenen Staaten.
Wo finden deutsche Unternehmen aktuell Unterstützung?
Informationen zur Lage erteilen die Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) in der Region. Sie sind für Unternehmen eine wichtige erste Anlaufstelle. Die Ansprechpartner der jeweiligen Region finden Sie hier:
- Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer
- Delegation der Deutschen Wirtschaft in Saudi-Arabien, Bahrain & Yemen
- Deutsch-Israelische Industrie- und Handelskammer,
Informationen des Auswärtigen Amtes / zur Ausreise von Mitarbeitern:
Für Sicherheitsinformationen und individuelle Krisenvorsorge sind die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts sowie die Krisenvorsorgeliste ELEFAND besonders wichtig. Das Auswärtige Amt empfiehlt deutschen Staatsangehörigen unabhängig von Dauer und Zweck des Aufenthalts eine Registrierung in ELEFAND.
Konkrete Unterstützung bei der Ausreise von Mitarbeitern bieten außerdem die Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer und dieDelegation der Deutschen Wirtschaft in Saudi-Arabien, Bahrain & Yemen.
Hinweis zur weiteren Entwicklung
Die Lage kann sich kurzfristig ändern. Unternehmen sollten ihre Annahmen zu Transport, Personal, Versorgung und Kosten deshalb laufend überprüfen und neue Entwicklungen eng verfolgen.
Weitere Informationsquellen
Statistische Kennzahlen rund um den Krieg im Nahen Osten hat das Statistische Bundesamt auf einer Sonderseite aufbereitet.
Zur Seite gelangen Sie hier:
https://www.destatis.de/DE/Home/_neue_startseite/_documents/_aktuelles/text-naher-osten.html
Das Außenwirtschaftsportal enthält Außenhandelsstatistiken zu über 150 Ländern auf der Welt für Sie bereit.
Auf den jeweiligen Länderseiten können Sie die beispielsweise den Handel zwischen Deutschland und den jeweiligen Ländern einsehen: Bahrain, Israel, Iran, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate.
Die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern hat eine Sonderseite für Unternehmen eingerichtet, die ergänzende Informationen enthält.
Sie erreichen die Seite unter: https://www.dihk.de/de/dossiers/nahost-auswirkungen-auf-die-deutsche-wirtschaft-172032
Germany Trade & Invest hat eine Sonderseite mit Informationen zu den Auswirkungen des Nahost-Krieges auf Energie, Lieferketten und Handel erstellt. Die Seite bietet zudem Zahlen und Standortanalysen.
Zur Seite gelangen Sie hier: https://www.gtai.de/de/trade/mena-region/krieg-im-nahen-osten