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Brasilien im Fokus: Roundtable in der IHK Frankfurt

Brasilien bietet Unternehmen vielfältige Marktchancen, erfordert aber eine sorgfältige Vorbereitung. Am 30. Juli diskutierten Expertinnen und Unternehmen über aktuelle Entwicklungen, Markteintrittsstrategien und die Chancen des EU-Mercosur-Abkommens.

Großes Interesse an Marktchancen in Brasilien

Das Interesse hessischer Unternehmen am brasilianischen Markt ist groß: Trotz hochsommerlicher Temperaturen war der Round Table „Markteintritt Brasilien“ bei der IHK Frankfurt am Main bis auf den letzten Platz gefüllt. Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen nutzten die Gelegenheit, sich mit Expertinnen über aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen in Brasilien auszutauschen. Grundlage der Diskussionen waren insbesondere die Perspektiven des EU-Mercosur-Abkommens sowie die Erfahrungen deutscher Unternehmen vor Ort.

In den Vorträgen der Referentinnen Regina Simon (Rechtsanwältin und Partnerin der Kanzlei CR&Partners, Sao Paulo) und Dr. Claudia Bärmann Bernard (Bereichsleiterin Administration und Recht der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer) wurde deutlich: Brasilien ist weit mehr als ein großer Absatzmarkt. Das Land entwickelt sich zunehmend zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort mit hoher Digitalisierung, Innovationskraft und gut ausgebildeten Fachkräften. Bereits heute zählt Brasilien zu den weltweit fortschrittlichsten Ländern im Bereich E-Government und verfügt über eine stark digitalisierte Verwaltung.

Chancen erkennen, Komplexität verstehen

Gleichzeitig wurde offen über die Herausforderungen eines Markteintritts gesprochen. Besonders das komplexe Steuer- und Rechtssystem sowie die föderale Struktur Brasiliens erfordern eine sorgfältige Vorbereitung. Die Expertinnen betonten, dass sich deutsche Unternehmen von der verbreiteten „Do-it-yourself-Mentalität“ lösen müssten.

„In Brasilien braucht man die richtigen Partner für die einzelnen Geschäftsbereiche“, betonte Regina Simon. Experten wie Steuerberater, Anwälte, Zollagenten oder Buchhalter seien keine Kostenfaktoren, sondern eine Investition in den Geschäftserfolg.

Auch die enorme geografische Größe des Landes spielte in den Diskussionen eine wichtige Rolle. Geschäftsmodelle, die in São Paulo erfolgreich sind, funktionieren nicht automatisch im Süden des Landes oder in anderen Regionen. Um langfristig erfolgreich zu sein, sollten Unternehmen sich dessen frühzeitig bei der Planung ihrer Marktstrategie bewusst machen.

EU-Mercosur-Abkommen sorgt für großes Interesse

Weiteres Schwerpunktthema der Veranstaltung war das seit Mai 2026 geltende EU-Mercosur-Abkommen. Die Erwartungen an das Abkommen sind hoch. Erste Erfahrungen zeigen jedoch, dass nicht alle Unternehmen sofort von den neuen Regelungen profitieren.

„In einigen Fällen sind die Zollkosten zunächst sogar gestiegen", berichtete Dr. Claudia Bärmann Bernard von der AHK Brasilien. Hintergrund seien unter anderem kurzfristig erhöhte Ausgangszollsätze und das Auslaufen von Zollbefreiungen für bestimmte Importgüter. Das Beispiel verdeutliche, dass Unternehmen die konkreten Auswirkungen des Abkommens auf ihr Geschäftsmodell sorgfältig prüfen sollten.

Trotz dieser Anlaufschwierigkeiten bewerteten die Teilnehmenden das Abkommen insgesamt positiv. Langfristig erwarten sie bessere Rahmenbedingungen für Handel und Investitionen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten.

Persönliche Kontakte als Erfolgsfaktor

Ein zentrales Fazit des Round Tables lautete: Erfolgreiche Geschäfte in Brasilien basieren auf Vertrauen und persönlichen Beziehungen. Wer den Markt langfristig erschließen möchte, sollte Zeit in den Aufbau lokaler Netzwerke investieren und regelmäßig vor Ort präsent sein.

Positive Perspektiven für deutsche Unternehmen

Der intensive Erfahrungsaustausch zeigte: Wer sich gut vorbereitet, die lokalen Besonderheiten versteht und auf starke Partner setzt, findet in Brasilien einen Markt mit großem Potenzial und vielfältigen Geschäftsmöglichkeiten.

Weitere Informationen zum EU-Mercosur-Abkommen finden Sie hier im Außenwirtschaftsportal.

Ein Bericht von Hannah Grüttgen, IHK Frankfurt am Main

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